>> 2004/08/18

Ich mag ja keine Superhelden-Filme. Der erste Spider-Man war da ein bisschen die Ausnahme (nicht nur, weil Kirsten Dunst mit roten Haaren noch besser aussieht ;-), auch wenn er an dem üblichen Unsinn krankte, vor allem einem überzogenen, völlig idiotischen Gegenspieler (Green Goblin, wenn ich das schon höre...). Aber es ging weniger um Spider-Gehüpfe, als um die Anfänge eines Superhelden, der erst gar nicht so recht weiß, wie ihm geschieht - und dabei noch genug mit privaten Problemen zu kämpfen hat. Das erzeugt zwar keine wahnsinnig tiefen Charaktere, läßt aber genügend Raum für so etwas wie "Inhalt" und "Story", was sonst in solchen Popcorn-Movies ja meist völlig auf der Strecke bleibt.
Spider-Man 2 macht im Prinzip auch ganz gut hier weiter. Das Problem ist ein anderes: Menschen, die Spinnenkräfte haben (was natürlich so auch mit Mutation nicht möglich ist), mutierte Cyborg-Wissenschaftler, damit habe ich absolut keine Probleme - die Spider-Man-Welt ist ähnlich unserer, aber eben nicht dieselbe. Nur eine Grundregel bei Fantasy lautet nunmal: Mach Deine Welt plausibel und konsistent! Wenn sich die Welt/ihre Bewohner nämlich genau da unglaubwürdig verhält, wo sie eigentlich wie unsere sein sollte, dann geht's den Bach runter.
In Spider-Man schafft es ein Wissenschaftler (quasi in Alleinarbeit, aber OK), eine Kernfusion (in Zimmergröße!) zu starten und zeitweise zu kontrollieren. Mit Hilfe von Cyborg-Armen, aber geschenkt. Das Experiment funktioniert nicht ganz, die Fusion gerät außer Kontrolle, das Labor geht zu Bruch, aber es wird keiner ernsthaft verletzt (außer dem Wissenschaftler (Alfred Molina), der zu Dr.Ock mutiert - auch das geschenkt in diesem Kobntext). Die Reaktion der anderen anwesenden Wissenschaftler: Empörung, Wut, etc.; der Geldgeber schreibt seine Kohle ab. Einen Tag später ist das ganze Experiment vergessen.
In der Realität wäre das anders: Sicher, die Beteiligten würden sich über die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen aufregen, aber es wäre eine wissenschaftliche Sensation: Kernfusion, im Wohnzimmer quasi. Dass das Ganze noch nicht rund läuft: Geschenkt, Experimente funktionieren eh nie im ersten Versuch. Die Möglichkeit der Kernfusion ist bewiesen, eine neue Zeitrechnung bricht an. Der Geldgeber reibt sich die Hände und steckt noch mehr Geld in was ihn bald zu einem Global Player auf dem Energiesektor machen wird. Nur die Öffentlichkeit ist verunsichert, Diskussionen über verantwortungslose Wissenschaftler, die das Schicksal der ganzen Welt auf's Spiel setzen, all überall.
Das ist nur mein krassestes Beispiel, hier wird's unglaubwürdig, selbst in einem Superhelden-Kontext. Vielleicht sind mir diese Sachen im ersten Teil nicht aufgefallen, hier störten sie mich aber (neben den teils sehr flachen Dialogen) enorm. Irgendwann will Spidey (Tobey Maguire, der seine Sache - im Gegensatz zu der zwar hübschen (hatte ich das schon erwähnt?) aber schauspielerisch nicht gerade überzeugenden Kirsten Dunst - sehr gut macht) nicht mehr Spidey sein, schmeisst seinen Anzug weg und wird "Normalmensch". Er läuft an einer Gasse vorbei, wo zwei üble Jungs einen anderen verprügeln. Ex-Spidey zögert, wendet sich dann aber ab. Hey, hat ein Normalmensch keine Möglichkeit zur Zivilcourage, kann er dem armen Kerl nicht auch ohne Spinne auf der Brust zur Hilfe eilen???
So verstrickt sich der Film immer mehr in seinem eigenen Anspruch, dazu flache Dialoge und - bis auf Spidey selber - eindimensionale Charaktere. Große Enttäuschung!

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