>> 2004/06/24
Szarvas
Letztes Wochenende waren wir zu einem Reception Weekend (wahrscheinlich das letzte für lange Zeit - Sommerferien und so...) in Szarvas, einem kleinen Örtchen im Südosten Ungarns. Eine AIESECerin hat das mehr oder weniger alleine auf die Beine gestellt (ist ihr Heimatort, Uni oder so gibt's da nicht), als Relaxing Weekend - und das wurde auch voll erfüllt. Wir hatten ein kleines Häuschen an einem toten Arm des Flusses Körös, konnten jederzeit schwimmen, waren Kanufahren, am Lagerfeuer grillen etc.
Einfach schön und erholsam.
Abschiede
Joao, der Portugiese, hat gestern seinen Abschied gefeiert, Ági, eine Ungarin, mit der ich recht viel gemacht habe, fährt für 2 Monate nach USA, Hajni, eine AIESECerin geht nach Ghana, Maria aus Bulgarien ist auch in Kürze weg - Ende Juli gehen Piotr (nach Holland, hat Job dort gefunden) und Saim (zurück in Türkei) - nach uns die Sintflut...>> 2004/06/10
Ich will mich diesmal nicht allzu lange über so Nebensächliches wie Kinofilme auslassen, deshalb in aller Kürze: 21 Gramm ist ein extrem düster-depressiver Film über drei Menschen, deren Schicksal für keinen von ihnen eine Erlösung von Schuld oder Unglück bereithält. Vor allem die schauspielerischen Leistungen beeindrucken, Sean Penn ist gewohnt überzeugend, Benicio Del Toro liefert eine unglaublich starke Vorstellung und auch Naomi Watts ist nicht nur schön, sondern auch äußerst ausdrucksstark.
Zweifaches Achtung:
1.Der Film springt andauernd zwischen den verschiedenen Zeiten, volle Konzentration ist zumindest in der ersten halben Stunde angesagt. Allerdings hat man doch recht schnell raus, was wann spielt, da alle Hauptpersonen zu den verschiedenen Zeiten recht verschieden aussehen/auftreten.
2.Wer nach diesem Film nicht hochgradig deprimiert ist, der hat wahrscheinlich nicht zugesehen. Also etwas The Cure hören und dann ab ins Bett! ;-)
Zweifaches Achtung:
1.Der Film springt andauernd zwischen den verschiedenen Zeiten, volle Konzentration ist zumindest in der ersten halben Stunde angesagt. Allerdings hat man doch recht schnell raus, was wann spielt, da alle Hauptpersonen zu den verschiedenen Zeiten recht verschieden aussehen/auftreten.
2.Wer nach diesem Film nicht hochgradig deprimiert ist, der hat wahrscheinlich nicht zugesehen. Also etwas The Cure hören und dann ab ins Bett! ;-)
>> 2004/06/07
T-Sting
Magenta - bis vor wenigen Jahren war diese nicht gerade augenschonende Mischung zwischen Rot und Pink relativ unbekannt und eigentlich nur in Zusammenhang mit additiver Farbmischung in Farbdruckern von Bedeutung. Dann kam die Telekom, f.k.a. Deutsche Bundespost Telekom, f.k.a. Deutsche Bundespost oder einfach nur Post, heute ganz cool T-Com.
In Ungarn wurde ich bisher davon verschont, es gab nur Vodafone, Pannon GSM und Westel. Vor knapp einem Monat war es dann da, Magenta everywhere! Ich dachte schon, wow, T-Mobile als vierter Mobilfunkbetreiber in dem kleinen Land - das wird schwer. Wurd's aber nicht, denn plötzlich war Westel verschwunden. Entweder die T-ler haben das vor kurzem aufgekauft oder schon vor längerem, aber bisher den alten Namen beibehalten. In jedem Fall haben sie das Netz übernommen.
Egal, angenehmer Nebeneffekt: Wer einen neuen Namen einführen will, muss Werbung machen. Da haben die sich nicht lumpen lassen und mal eben Sting für umsonst auf den Heldenplatz beordert. Nun, der Heldenplatz (wo ja auch die EU-Beitritts-Veranstaltungen stattfanden) war offensichtlich nicht genug, lieber gleich den Riesen-Bereich rechts davon genommen. Und ganz Budapest kam! Dagegen war der EU-Beitritt ein Familienfest. Na, wenn's einen Weltstar umsonst gibt...
Offizieller Anfang (Vorprogramm: Suzanne Vega) 6h, Sting kam natürlich nicht vor halb 10, aber unsere Ankunft kurz nach 7 war eindeutig zu spät, um irgendwo durchzukommen (während über uns T-Mobile Helikopter und ein Luftschiff kreisten...). Wir sind dann einmal um das ganze rum und haben uns hinten angestellt. In 200-300m Entfernung (lässt sich immer schwer schätzen) hinter dem dritten Großbildschirm. War in jedem Fall schon weit genug weg, dass eine sichtbare Verzögerung zwischen Ton (erstaunlich gut für den großen, nicht für sowas ausgelegten Platz) und Bild zu erkennen war. Macht ja auch nix, ich hatte es nicht nötig, Mr.Tantric Sex aus der Nähe zu sehen (wenn jemand wie Dido gekommen wär, wär ich vielleicht anderer Meinung gewesen ;). Ach so, das Konzert: Ganz gut, man muss eben Sting a bisserl mögen, hat genügend altes, bekanntes Material gespielt, um Stimmung zu verbreiten.
Soviel zum Wochenende, am Sonntag haben wir mal wieder trotz vereinzelter Schauer den Grill angeschmissen, sonst war nicht viel los...
>> 2004/06/04
Lange angekündigt, endlich da (und dafür umso länger...): Der Reisebericht zu
Für das Pfingstwochenende hatten wir schon seit langem eine Tour nach Ljubljana geplant - solche weiten Fahrten bieten sich eben nur an verlängerten Wochenenden an. Und jeder, der schon in Slowenien war, hat gesagt, wie schön es da ist.
Um es kurz zu machen: Keiner hat übertrieben! In das Fleckchen Erde könnt ich mich glatt verlieben :)
Wir wollten von vorneherein nicht nur Ljubljana sehen, sondern auch etwas mehr vom Land, weshalb wir uns einen Wagen mieten wollten. Das Interesse war enorm, letztendlich haben sich zwei Vans mit 9 bzw. 8 Leuten aufgemacht. Mit der kleineren Gruppe hatten wir aber nicht wirklich was zu tun, wurde alles separat geplant und durchgeführt, haben uns letztlich auch nur einmal getroffen (da die auch woanders nächtigten).
Unsere ersten Probleme traten aber auch schon am Freitag abend auf: Der Wagen, den uns der Verleih hingestellt hatte, war statt des reservierten 9- ein 8-Sitzer. Also rumverhandelt. Am Ende mussten wir zwar den einzig verfügbaren 9-Sitzer nachts nach 10h (wo wir eigentlich schon schlafen wollten) am Flughafen abholen, hatten aber 10% Rabatt bekommen :)
Da wir gegen 2h los wollten und Piotr den ersten Abschnitt übernehmen sollte (da weitere Fahrer mehr kosten, sind nur Piotr und ich gefahren), bin ich dann mit Aga (POL) und Bec (AUS) als Anti-Langeweile-Begleitung zum Flughafen und hab die Wagen getauscht. Ansonsten waren übrigens Rudi (AUS), Chris (ENG), Jeff (Aussi Nr.3), Joao (POR) und Raoul (D, den kannten wir bisher auch noch nicht, ist für einen Erkrankten eingesprungen).
Letztlich hatten wir dann gegen 3h alle zusammen und ab ging's on the road. Die Fahrt verlief - abgesehen vom aus Budapest rauskommen, wo wir uns etwas verfuhren - problemlos. Wir machten einen kleinen Schlenker durch Kroatien (Slowenien und Ungarn haben zwar auch eine kurze gemeinsame Grenze, dafür hätten wir aber länger über Nebenstraßen fahren müssen - und so gab's mehr Stempel im Pass :-), wo wir nur Landstraße nahmen, um die Autobahngebühr zu sparen. Nach gut 7h (hatten mit 8 gerechnet) hatten wir dann unser Hotel in Ljubljana erreicht.
Unser Hotel war eine komische Mischung aus Hotel (2-/3-Bettzimmer), städtischer Jugendherberge (10-Bettschlafsaal) und Fitnesscenter. Alles in allem ganz gut, die 3-Bettzimmer waren zwar Doppelbett mit Hochbett, aber wir hatten genügend Decken. Nur unsere Nachfrage vorher, ob Handtücher bereitgestellt würden, stellte sich als das falsche Konzept heraus. Sie wurde nämlich mit "Ja" beantwortet, es handelte sich aber wirklich nur um Handtücher, zum Duschen viel zu klein. Naja, es gibt Schlimmeres.
Wir sind dann ziemlich sofort in die Stadt (mit dem Wagen, Hotel ist nicht sonderlich zentral) und haben uns umgeschaut. Ljubljana wird beherrscht von einer Burg, auf einem recht steilen Hügel gelegen (sind wir natürlich auch rauf), ein Flüsschen (sinnigerweise Ljubljanica genannt) macht einen Schlenker um diesen Burgberg, in alle Richtungen breitet sich die Stadt aus. Insgesamt sehr übersichtliches Städtchen (hat auch nur 250000 Einwohner, bei einer Gesamteinwohnerzahl von 2 Mio.), mit leicht mediterran-italienischem Flair, speziell entlang des Flusses. Leider war am Samstag nicht viel mit draußen rumsitzen, die Schauer verzogen sich nur langsam. Allerdings hatten wir echt Glück: Die Wettervorhersage hatte uns auf Gewitter und Regen das ganze WE über eingestellt, stattdessen gab es Sonntag und Montag strahlenden Sonnenschein!
Abgesehen von der Burg und - immer präsent im Zentrum - der Dreierbrücke haben wir uns nicht wahnsinnig viel angesehen, ist auch einfach mehr eine Stadt zum Flanieren, nicht mit den Wahnsinns-Sights gesegnet. Muss auch persönlich sagen, dass mir Zagreb als Stadt wesentlich besser gefallen hat, mehr Flair und auch mehr zu sehen - dennoch (trotz dreifacher Einwohnerzahl) vom Zentrum her kaum größer.
Egal, hier waren, begannen unsere World-Wide-Cooking-Tour in einem Mexikaner, den uns ein Student, den wir ansprachen, empfohlen hatte - und der wirklich sehr gut war, habe spicy Truthahn in Tortilla-Fladen kross gebacken mit Dip gegessen, seeeehr gut! - und suchten am Abend einen Italiener auf (wo ich dann die Gelegenheit zum Fasten hatte ;), wo wir auch auf die andere Gruppe trafen.
Ist war übrigens mal wieder zu bemerken, dass jeder hier so gut Englisch kann wie in Ungarn nur eine Minderheit. Mir persönlich gefiel auch die internationalere Ausrichtung, d.h. Hinweisschilder waren immer auch in Englisch, nur wenn weitere Sprachen dazukamen auch in Deutsch und/oder Italienisch. Nicht wie in Ungarn, wo man sich ja speziell am Balaton schon fast wie am Ballermann fühlt, mit uneingeschränkter Germanisierung... Abends machten wir dann nicht mehr auf Nachtleben, denn für Sonntag war volles Programm angesagt:
Um halb 9 ging's bereits los, denn wir wollten die erste Führung durch die Tropfsteinhöhlen von Skocjan im Süden des Landes (nur wenige Kilometer von der italienischen Grenze, deshalb auch voll mit Italienern) um 10h erreichen. Das gelang auch problemlos, Slowenien ist so klein, was auf der großen Autokarte wie eine Weltreise aussieht, sind in Wirklichkeit nur knapp 70km... Auf dem Weg liegt noch ein weiteres berühmtes Höhlensystem, Postojnska, wir hatten aber nicht für alles Zeit. Und Skocjan war schon klasse genug. Ein Höhlensystem, das über 170m in die Tiefe reicht, wo noch der Fluss fließt, der dies alles geschaffen hat (wiederum sinnigerweise Reka getauft, was auf slowenisch "Fluss" heißt...). Atemberaubende Tropfsteine und atemberaubende Blicke, vor allem von einer Touristenbrücke, die 45m über dem Fluss verläuft - und von der Ferne unweigerlich ein Herr der Ringe-Déjà-vu erzeugt. Wenn man sich dann noch überlegt, dass der Fluss zu Zeiten sogar bis in den 150m darüber gelegenen Teil der Höhlen floss und einige Stalagtiten (die von oben) und -miten (von unten) abbrach.
Beeindruckend auch der Bereich des eigentlichen, natürlichen Eingangs. Der ist sicher 20m hoch - und wurde anscheinend nie von Höhlenmenschen bewohnt (man hat zumindest keine Überreste gefunden). Die Erklärung dafür soll wohl sein, dass man zu große Angst hatte, da so ein riesiger Eingang nur darauf schließen lassen konnte, dass eine riesige Kreatur darin hauste.
Das Bild auf der Eingangsseite zeigt übrigens den Blick von direkt oberhalb des Eingangs, der Fluss fließt also unter dem Betrachter in der Höhlensystem ein.
Vielleicht schaff ich auch mal irgendwann Bilder hierhin, aber ich hör lieber auf mit Versprechungen in diese Richtung... ;)
Dann ging's zurück Richtung Ljubljana, zuerst haben wir uns aber noch von unserer Führerin ein Restaurant empfehlen lassen. Was "Echtes" wollten wir - und haben's auch bekommen. Irgendwo an der Landstraße, hinter so einem Kaff, gab's das Ravni.
Von Ljubljana ging's dann nach links-oben, äh, nordwest, ung. 50km, Richtung
Zweifelsfrei - zumindest imho - der absolute Höhepunkt der Fahrt. Ein Fleckchen Erde, wo ich mich auch niederlassen könnte... In den Ausläufern der Julischen Alpen gelegen, bietet dieses Städtchen ein unglaubliches Panorama:
Sanfte, grüne Hügel, in eine Richtung flacher werdend, in die andere Richtung die bis zu 2800m hohen Alpen (mit dem Nationalberg, dem Triglav, der sich auch stilisiert auf der Flagge findet), ein uralter Vulkanfels mit einer Burg darauf und im Zentrum ein tiefblauer See, dessen hervorstechendstes Merkmal eine kleine, vielleicht 150m durchmessende Insel mit einer Kirche drauf (die quasi den gesamten zur Verfügung stehenden Platz einnimmt - der Rest sind ein paar Bäume. Muss man mit eigenen Augen gesehen haben!
Auf dem Inselchen selber waren wir nicht (10€ für die Bootsüberfahrt - wir haben zwar nicht jede Mark, äh, Euro, äh slowenischen Tolar umgedreht, aber irgendwo ist Schluss...), aber auf der Burg, von der der Blick natürlich noch besser war. Um einen Teil des Sees sind wir auch rumgelaufen, leider war ich mit meinem Vorschlag, ein bisschen auf einen der Hügel zuwandern und dann vielleicht noch bis Sonnenuntergang zu warten, in der Minderheit - nicht mal für den Sonnenuntergang hat's gereicht, obwohl der bei diesem Wetter offensichtlich phantastisch gewesen wäre.
Ergo: Da muss ich unbedingt nochmal hin, am besten mit jemanden, der auch gewillt ist, ein paar Höhenmeter zu überwinden...
Dann ging's also (von meiner Seite aus etwas unwillig) zurück nach Ljubljana, wo die World-Cooking-Tour beim Chinesen beendet wurde. Leider wurde das beim Chinesen ja naheliegende Konzept des "Sharing is Caring" nicht von allen angenommen - was das Bezahlen nachher unnötig verkomplizierte. Danach wollten wir dann noch ein bisschen Nachtleben ausprobieren, mussten aber leider feststellen, dass nicht jede 250000 Einwohner-Stadt in dieser Hinsicht mit, z.B., Münster vergleichbar ist ;-) - auch wenn es sich um eine Hauptstadt handelt. Es war nämlich reineweg alles zu. Bis auf das K4, dass Sonntags abends anscheinend immer eine stadtbekannte Schwulenparty veranstaltet - dafür waren uns 700 Tolar (der ung. soviel wert ist wie der Forint, hier also knapp 3€) dann doch zuviel. Also blieb uns nur noch ein Gläschen Wein im Hotel.
Am nächsten Tag lief dann auch nicht mehr viel, nochmal zwei Stündchen durch die Stadt gelaufen, etwas Restgeld für Essen und Souvenirs verschwendet und dann ab auf den Heimweg - um halb 7 mussten wir in BP sein, damit die Leute aus Szeged ihren letzten Zug kriegten. Was auch problemlos klappte.
Alles in allem ein absolut gelungenes Wochenende, Slowenien kann ich nur jedem empfehlen, allerdings muss man sich mehrere Orte vornehmen, Ljubljana allein bringts nicht. Dafür kann man dann noch gleich Zagreb dazu nehmen (ist ziemlich nah an der slowenischen Grenze), und wer will kann sich danach ja an den kroatischen Stränden die Sonne auf den Pelz brennen lassen. Wobei Slowenien ohne Zweifel auch im Winter eine Reise wert sein dürfte - der eine Hügel in Bled hatte sogar eine kleine Skipiste zu bieten :)
Für das Pfingstwochenende hatten wir schon seit langem eine Tour nach Ljubljana geplant - solche weiten Fahrten bieten sich eben nur an verlängerten Wochenenden an. Und jeder, der schon in Slowenien war, hat gesagt, wie schön es da ist.
Um es kurz zu machen: Keiner hat übertrieben! In das Fleckchen Erde könnt ich mich glatt verlieben :)
Wir wollten von vorneherein nicht nur Ljubljana sehen, sondern auch etwas mehr vom Land, weshalb wir uns einen Wagen mieten wollten. Das Interesse war enorm, letztendlich haben sich zwei Vans mit 9 bzw. 8 Leuten aufgemacht. Mit der kleineren Gruppe hatten wir aber nicht wirklich was zu tun, wurde alles separat geplant und durchgeführt, haben uns letztlich auch nur einmal getroffen (da die auch woanders nächtigten).
Unsere ersten Probleme traten aber auch schon am Freitag abend auf: Der Wagen, den uns der Verleih hingestellt hatte, war statt des reservierten 9- ein 8-Sitzer. Also rumverhandelt. Am Ende mussten wir zwar den einzig verfügbaren 9-Sitzer nachts nach 10h (wo wir eigentlich schon schlafen wollten) am Flughafen abholen, hatten aber 10% Rabatt bekommen :)
Da wir gegen 2h los wollten und Piotr den ersten Abschnitt übernehmen sollte (da weitere Fahrer mehr kosten, sind nur Piotr und ich gefahren), bin ich dann mit Aga (POL) und Bec (AUS) als Anti-Langeweile-Begleitung zum Flughafen und hab die Wagen getauscht. Ansonsten waren übrigens Rudi (AUS), Chris (ENG), Jeff (Aussi Nr.3), Joao (POR) und Raoul (D, den kannten wir bisher auch noch nicht, ist für einen Erkrankten eingesprungen).
Letztlich hatten wir dann gegen 3h alle zusammen und ab ging's on the road. Die Fahrt verlief - abgesehen vom aus Budapest rauskommen, wo wir uns etwas verfuhren - problemlos. Wir machten einen kleinen Schlenker durch Kroatien (Slowenien und Ungarn haben zwar auch eine kurze gemeinsame Grenze, dafür hätten wir aber länger über Nebenstraßen fahren müssen - und so gab's mehr Stempel im Pass :-), wo wir nur Landstraße nahmen, um die Autobahngebühr zu sparen. Nach gut 7h (hatten mit 8 gerechnet) hatten wir dann unser Hotel in Ljubljana erreicht.
Unser Hotel war eine komische Mischung aus Hotel (2-/3-Bettzimmer), städtischer Jugendherberge (10-Bettschlafsaal) und Fitnesscenter. Alles in allem ganz gut, die 3-Bettzimmer waren zwar Doppelbett mit Hochbett, aber wir hatten genügend Decken. Nur unsere Nachfrage vorher, ob Handtücher bereitgestellt würden, stellte sich als das falsche Konzept heraus. Sie wurde nämlich mit "Ja" beantwortet, es handelte sich aber wirklich nur um Handtücher, zum Duschen viel zu klein. Naja, es gibt Schlimmeres.
Wir sind dann ziemlich sofort in die Stadt (mit dem Wagen, Hotel ist nicht sonderlich zentral) und haben uns umgeschaut. Ljubljana wird beherrscht von einer Burg, auf einem recht steilen Hügel gelegen (sind wir natürlich auch rauf), ein Flüsschen (sinnigerweise Ljubljanica genannt) macht einen Schlenker um diesen Burgberg, in alle Richtungen breitet sich die Stadt aus. Insgesamt sehr übersichtliches Städtchen (hat auch nur 250000 Einwohner, bei einer Gesamteinwohnerzahl von 2 Mio.), mit leicht mediterran-italienischem Flair, speziell entlang des Flusses. Leider war am Samstag nicht viel mit draußen rumsitzen, die Schauer verzogen sich nur langsam. Allerdings hatten wir echt Glück: Die Wettervorhersage hatte uns auf Gewitter und Regen das ganze WE über eingestellt, stattdessen gab es Sonntag und Montag strahlenden Sonnenschein!
Abgesehen von der Burg und - immer präsent im Zentrum - der Dreierbrücke haben wir uns nicht wahnsinnig viel angesehen, ist auch einfach mehr eine Stadt zum Flanieren, nicht mit den Wahnsinns-Sights gesegnet. Muss auch persönlich sagen, dass mir Zagreb als Stadt wesentlich besser gefallen hat, mehr Flair und auch mehr zu sehen - dennoch (trotz dreifacher Einwohnerzahl) vom Zentrum her kaum größer.
Egal, hier waren, begannen unsere World-Wide-Cooking-Tour in einem Mexikaner, den uns ein Student, den wir ansprachen, empfohlen hatte - und der wirklich sehr gut war, habe spicy Truthahn in Tortilla-Fladen kross gebacken mit Dip gegessen, seeeehr gut! - und suchten am Abend einen Italiener auf (wo ich dann die Gelegenheit zum Fasten hatte ;), wo wir auch auf die andere Gruppe trafen.
Ist war übrigens mal wieder zu bemerken, dass jeder hier so gut Englisch kann wie in Ungarn nur eine Minderheit. Mir persönlich gefiel auch die internationalere Ausrichtung, d.h. Hinweisschilder waren immer auch in Englisch, nur wenn weitere Sprachen dazukamen auch in Deutsch und/oder Italienisch. Nicht wie in Ungarn, wo man sich ja speziell am Balaton schon fast wie am Ballermann fühlt, mit uneingeschränkter Germanisierung... Abends machten wir dann nicht mehr auf Nachtleben, denn für Sonntag war volles Programm angesagt:
Um halb 9 ging's bereits los, denn wir wollten die erste Führung durch die Tropfsteinhöhlen von Skocjan im Süden des Landes (nur wenige Kilometer von der italienischen Grenze, deshalb auch voll mit Italienern) um 10h erreichen. Das gelang auch problemlos, Slowenien ist so klein, was auf der großen Autokarte wie eine Weltreise aussieht, sind in Wirklichkeit nur knapp 70km... Auf dem Weg liegt noch ein weiteres berühmtes Höhlensystem, Postojnska, wir hatten aber nicht für alles Zeit. Und Skocjan war schon klasse genug. Ein Höhlensystem, das über 170m in die Tiefe reicht, wo noch der Fluss fließt, der dies alles geschaffen hat (wiederum sinnigerweise Reka getauft, was auf slowenisch "Fluss" heißt...). Atemberaubende Tropfsteine und atemberaubende Blicke, vor allem von einer Touristenbrücke, die 45m über dem Fluss verläuft - und von der Ferne unweigerlich ein Herr der Ringe-Déjà-vu erzeugt. Wenn man sich dann noch überlegt, dass der Fluss zu Zeiten sogar bis in den 150m darüber gelegenen Teil der Höhlen floss und einige Stalagtiten (die von oben) und -miten (von unten) abbrach.
Mein persönliches Merksystem: StalagTiten hängen von oben, da der Strich beim T oben an der Decke angebracht ist, StalagMiten wachsen von unten, ein großes M sieht ja aus wie zwei Spitzen von unten
Und Erdbeben, die ganze Höhlen einstürzen ließ, gibt's hier auch gelegentlich.
Beeindruckend auch der Bereich des eigentlichen, natürlichen Eingangs. Der ist sicher 20m hoch - und wurde anscheinend nie von Höhlenmenschen bewohnt (man hat zumindest keine Überreste gefunden). Die Erklärung dafür soll wohl sein, dass man zu große Angst hatte, da so ein riesiger Eingang nur darauf schließen lassen konnte, dass eine riesige Kreatur darin hauste.
Das Bild auf der Eingangsseite zeigt übrigens den Blick von direkt oberhalb des Eingangs, der Fluss fließt also unter dem Betrachter in der Höhlensystem ein.
Vielleicht schaff ich auch mal irgendwann Bilder hierhin, aber ich hör lieber auf mit Versprechungen in diese Richtung... ;)
Dann ging's zurück Richtung Ljubljana, zuerst haben wir uns aber noch von unserer Führerin ein Restaurant empfehlen lassen. Was "Echtes" wollten wir - und haben's auch bekommen. Irgendwo an der Landstraße, hinter so einem Kaff, gab's das Ravni.
Die slowenische Schrift hat noch eine alte lateinische Eigenart: Zwar existiert auch der Buchstabe U, in den uns bekannten Diphtongen au und eu wird allerdings das V an dessen Stelle verwendet (wobei es das "normale" V ja auch gibt, wie man an Slovenija sieht). So heißt es z.B. "Avto" - und obiges Restaurant wird demnach "Rauni" ausgesprochen.
Dort hat man uns dann nach mehrmaligen Bitten mit Müh und Not Platz für 9 freigemacht und wir haben aus zwei slovenischen und einer deutsch-italienisch-französischen Speisekarte (die sich allerdings nicht deckten) bestellt. Hatt zwar irgendwie keiner was "echt" slowenisches/balkanisches bekommen, aber gut - und für die Menge absolut günstig - war's allemal.
Von Ljubljana ging's dann nach links-oben, äh, nordwest, ung. 50km, Richtung
Zweifelsfrei - zumindest imho - der absolute Höhepunkt der Fahrt. Ein Fleckchen Erde, wo ich mich auch niederlassen könnte... In den Ausläufern der Julischen Alpen gelegen, bietet dieses Städtchen ein unglaubliches Panorama:
Sanfte, grüne Hügel, in eine Richtung flacher werdend, in die andere Richtung die bis zu 2800m hohen Alpen (mit dem Nationalberg, dem Triglav, der sich auch stilisiert auf der Flagge findet), ein uralter Vulkanfels mit einer Burg darauf und im Zentrum ein tiefblauer See, dessen hervorstechendstes Merkmal eine kleine, vielleicht 150m durchmessende Insel mit einer Kirche drauf (die quasi den gesamten zur Verfügung stehenden Platz einnimmt - der Rest sind ein paar Bäume. Muss man mit eigenen Augen gesehen haben!
Auf dem Inselchen selber waren wir nicht (10€ für die Bootsüberfahrt - wir haben zwar nicht jede Mark, äh, Euro, äh slowenischen Tolar umgedreht, aber irgendwo ist Schluss...), aber auf der Burg, von der der Blick natürlich noch besser war. Um einen Teil des Sees sind wir auch rumgelaufen, leider war ich mit meinem Vorschlag, ein bisschen auf einen der Hügel zuwandern und dann vielleicht noch bis Sonnenuntergang zu warten, in der Minderheit - nicht mal für den Sonnenuntergang hat's gereicht, obwohl der bei diesem Wetter offensichtlich phantastisch gewesen wäre.
Ergo: Da muss ich unbedingt nochmal hin, am besten mit jemanden, der auch gewillt ist, ein paar Höhenmeter zu überwinden...
Dann ging's also (von meiner Seite aus etwas unwillig) zurück nach Ljubljana, wo die World-Cooking-Tour beim Chinesen beendet wurde. Leider wurde das beim Chinesen ja naheliegende Konzept des "Sharing is Caring" nicht von allen angenommen - was das Bezahlen nachher unnötig verkomplizierte. Danach wollten wir dann noch ein bisschen Nachtleben ausprobieren, mussten aber leider feststellen, dass nicht jede 250000 Einwohner-Stadt in dieser Hinsicht mit, z.B., Münster vergleichbar ist ;-) - auch wenn es sich um eine Hauptstadt handelt. Es war nämlich reineweg alles zu. Bis auf das K4, dass Sonntags abends anscheinend immer eine stadtbekannte Schwulenparty veranstaltet - dafür waren uns 700 Tolar (der ung. soviel wert ist wie der Forint, hier also knapp 3€) dann doch zuviel. Also blieb uns nur noch ein Gläschen Wein im Hotel.
Am nächsten Tag lief dann auch nicht mehr viel, nochmal zwei Stündchen durch die Stadt gelaufen, etwas Restgeld für Essen und Souvenirs verschwendet und dann ab auf den Heimweg - um halb 7 mussten wir in BP sein, damit die Leute aus Szeged ihren letzten Zug kriegten. Was auch problemlos klappte.
Alles in allem ein absolut gelungenes Wochenende, Slowenien kann ich nur jedem empfehlen, allerdings muss man sich mehrere Orte vornehmen, Ljubljana allein bringts nicht. Dafür kann man dann noch gleich Zagreb dazu nehmen (ist ziemlich nah an der slowenischen Grenze), und wer will kann sich danach ja an den kroatischen Stränden die Sonne auf den Pelz brennen lassen. Wobei Slowenien ohne Zweifel auch im Winter eine Reise wert sein dürfte - der eine Hügel in Bled hatte sogar eine kleine Skipiste zu bieten :)