>> 2004/04/28

Da sich sonst nix Bedeutendes tut, hier mal wieder eine kleine Kino-Kritik (Achtung! Spoiler):
Drei Jungen, Jimmy (Sean Penn), Sean (Kevin Bacon) und Dave (Tim Robbins), spielen auf der Straße Hockey, als ein Mann anhält, sich als Polizist ausgibt und einen der Jungs - zufällig Dave - mitnimmt. Natürlich war es kein Polizist, der Junge wird missbraucht, kann aber 4 Tage später fliehen.
25 Jahre später leben die drei immer noch in derselben Gegend, haben aber kaum mehr Kontakt, da ihre Leben sehr unterschiedlich verlaufen sind: Sean ist Kriminalpolizist geworden, dessen Frau ihn aber vor Monaten verlassen hat, Jimmy hat einen kleinen Laden, Frau und Kinder und eine kleinkriminelle Vergangenheit. Dave hingegen ist wohl nie wieder richtig auf die Beine gekommen, hat eine Frau und einen kleinen Sohn, lebt aber anscheinend von Sozialhilfe.
Eines Nachts kommt Dave blutüberströmt nach Hause, am nächsten Tag wird Jimmys 19jährige Tochter tot aufgefunden. Die Ermittlungen von Sean mit seinem Polizeikollegen (Laurence Hätt-ich-doch-die-blaue-Pille-genommen Fishburne) lassen die drei Jugendfreunde wieder aufeinandertreffen.
Was sich nun entspinnt, ist ein äußerst spannender Thriller, aber auch eine Studie über die drei Jungen, die so unterschiedliche Wege gegangen sind, und vor allem über Dave. Die Stimmung ist i.A. äußerst düster, Regisseur Clint Eastwood erzeugt eine sehr bedrückende und mystische Atmosphäre, die zuweilen an Sieben erinnert. Die Auflösung ist dann ohne Zweifel überraschend (haarscharf am Deus ex machina vorbei), was danach kommt, lässt einen aber sehr nachdenklich zurück. Das Verhalten der Protagonisten ist sicher alles andere als moralisch, es bleibt aber viel Raum für Interpretation.
Vor allem als düsterer Thriller ein hervorragender Film, der einen allerdings etwas ratlos zurücklässt - was kein Nachteil sein muss. Sowohl Tim Robbins als auch Sean Penn wurden für ihre Leistungen mit dem Oscar ausgezeichnet, was vor allem bei Robbins absolut berechtigt ist. Penn spielt zwar nicht über seinem Niveau, aber wer so ein verdammt hohes Niveau hat, hat auch irgendwann (nach 3 Nominierungen) den Oscar verdient, auch wenn er schon mal besser gespielt hat.

>> 2004/04/23

Here comes the sun, here comes the sun
And I say it's all right

Little darlin' it's been a long cold lonely winter
Little darlin' it feels like years since it's been here

Here comes the sun, here comes the sun
And I say it's all right

Little darlin' the smiles returning to their faces
Little darlin' it seems like years since it's been here

Here comes the sun, here comes the sun
And I say it's all right

(George Harrison)

>> 2004/04/19

Keszthely/Thermalsee in Héviz
Jaja, hab lange nix geschrieben, bocsanát. Meine Eltern waren über Ostern da (s.u.), und dieses Wochenende war mal wieder ein Reception Weekend angesagt.
Es ging nämlich nach Keszthely an der Südwestspitze des Balaton. Wobei das der weniger interessante Teil war, das Städtchen zeichnet sich vor allem durch eine ziemlich starke Germanisierung aus (wie allerdings der größte Teil des Balatons), englisch findet sich hier nur selten auf Schildern u.ä., dafür enthalten die Autokennzeichen meist ein D oder - noch häufiger - A... Das Sehenswerte hier war recht schnell gesehen (eine der wenigen noch erhaltenen - danke, Türken ;-) - original-gothischen Kirchen in Ungarn, ein ganz nettes Schlösschen).
Die Hauptattraktion des Trips - der übrigens von einem Budapester AIESEC-LC (Local commitee) organisiert war - war denn auch Héviz. Dort gibt's nämlich den größten natürlichen Thermalsee Europas (und zweitgrößten der Welt). Aus einer knapp 50m tiefen Spalte strömt über 40° warmes Wasser, so dass an der Oberfläche selbst im Winter noch über 25° normal sind. Auf der obigen Homepage findet sich unter "Der Heilsee" eine interessante kurze Abhandlung zur geologischen Geschichte des Sees. Leider wird nicht erklärt, ob die nahezu kreisrunde Form des Sees natürlichen (Krater?) oder menschlichen Ursprungs ist. Ich vermute letzteres.
Dort waren wir also am Samstag, und unsere Befürchtungen angesichts des immer noch unfrühlingshaften Wetters (13°) waren schnell zerstreut: Das Wasser war tatsächlich angenehm warm, selbst draußen (zumindest im Bereich der Spalte, zu weit sind wir nicht rausgeschwommen) - es gibt auch ein paar "Innenbecken", d.h. ein Badehaus wurde in den See hineingebaut und Wasser wird offensichtlich direkt aus der Spalte in diesen Bereich gepumpt. Oder zumindest wird die kalte Außenluft und das Außenwasser hier stärker rausgehalten.
Langer Rede kurzer Sinn: In jedem Fall einen Besuch wert - zumal 3h auch nur läppische 600 Ft (2,30€) kosten.
Ansonsten gibt's nicht viel zu berichten; wir waren auf einem Camping-Platz untergebracht, in 3er-Hüttchen ohne Heizung, aber es ging noch gerade so. Der Platz war relativ ausgestorben, bis auf einen deutschen Wohnwagen und ein Ösi-Ehepaar, dass nur wenig von uns entfernt wohnte - eindeutig ausgezeichnet durch eine Ösi-Fahne (inkl. Adler) mit Ungarn-Bändchen. Haben sich aber zum Glück nicht über unsere Lautstärke beschwert (die sich vor Ort aber auch in Grenzen hielt). Den ersten Abend wollten wir eigentlich am Lagerfeuer Speck grillen, da der Regen aber gerade erst aufgehört hatte, beschränkten wir uns auf eine kleine Zimmerparty mit kindischen Spielchen.
Am Samstag abend machten wir uns dann auf den (langen) Weg in den Ort, wo wir allerdings mit John's Pub einen ziemlich guten Laden fanden, der nicht nur proppenvoll war, sondern vor allem einen ausgesprochen guten DJ mit superber Songauswahl bot!
Am Sonntag war dann der eigentliche Programmpunkt mal wieder eine Weinprobe, die allerdings eher spontan geplant war. Also quasi gar nicht geplant, wir sind nämlich nach Badacsony gefahren, einem der bekanntesten Weingebiete Ungarns (eines der "großen 6" oder so ähnlich). Auch am Balaton, wobei die Germanisierung hier soweit ist, dass über dem Hauptplatz des Orts schon nicht mal mehr Fötér, sondern einfach nur noch Marktplatz steht - nun ja... Wir waren auch nicht lange da, es fuhren nämlich nur zwei passende Züge von Keszthely dorthin, einer um Viertel vor 11, der andere Viertel vor 2. Dreimal darf geraten werden, für welchen Zug wir nicht früh genug aufgestanden sind... Waren also letztlich nur für ein Stündchen irgendwo in einem kleinen "Weingarten" und haben uns ein, zwei Gläschen genehmigt (schmeckte gut, machte aber irgendwie trotz der geringen Menge schnell Kopfschmerzen, lag sicher am mittlerweile doch vorherrschenden Sonnenschein). War aber kein Vergleich mit den bisherigen, echten Weinproben, die vorher reserviert waren und immer das ganze Programm des jeweiligen Winzers enthielten. Egal, nett war's allemal.
Und nach weiteren dreieinhalb Stunden Zugfahrt (Bummelzug ist nix dagegen, der hier hielt nicht nur an jedem Busch, sondern an jedem Grashalm...) hatte Budapest uns wieder.

Ostern/Eltern-Besuch: Eger, Szentendre
Eine Woche davor, über Ostern, waren meine Eltern hier in Budapest zu Besuch. Für eine ganze Woche, von Mittwoch bis zu dem Donnerstag drauf. Das hat mich natürlich sehr gefreut (nicht nur, weil sie ein paar Anziehsachen für den Sommer mitgebracht und das ein oder andere Essen bezahlt haben ;-). Natürlich konnte ich mich nicht alle Tage um sie kümmern, an den Wochentagen habe ich nur abends mal vorbeigeschaut (und Donnerstag auch nicht, da hat uns nämlich die liebe Theodora in Richtung Griechenland verlassen, was natürlich gebührend begangen werden musste - schade, war eine der nettesten und lustigsten, aber eben nur 2 1/2 Monate hier...), am Osterwochenende (das hier allerdings nur einen zusätzlichen freien Tag brachte, Karfreitag ist nix...) konnten wir aber ein bisschen was unternehmen.
Am Samstag stand dabei nur Budapest selber auf dem Programm, am Heldenplatz war ich z.B. seit der Winand-Fahrt vor 11 Jahren noch gar nicht wieder gewesen, dann den Budapester "Champs Elysée" (aber auch nur mit sehr viel gutem Willen vergleichbar), die Andrassy ut entlang und ein bisschen einfach rumgelaufen - aber so mag ich das ja sowieso lieber als "Sights" abklappern...
Am Samstag ging's dann auf die Spuren meiner Vergangenheit - nach Eger. Dort waren wir ja damals bei unserer Orchestertour mit dem Winandschen Schulorchester (hab ihm bei dieser Gelegenheit auch gleich eine Karte von dort geschrieben) stationiert. Man muss ehrlich sein: Viel zu sehen gibt's in Eger nicht: Eine Burg, die einen Herrn Istvan Dobo zum Nationalhelden machte, da er sie recht lange gegen die Türken verteidigte (um schließlich aber doch zu scheitern), einen netten Hauptplatz (nicht überraschend "Dobo Istvan tér" genannt) und ein noch intaktes Minarett, auf das man draufsteigen kann (was ich allerdings dieses Mal nicht gemacht hab), das aber inzwischen von einem christlichen Kreuz geschmückt wird. Alles ganz nett und schnuckelig, aber unter normalen Umständen sicherlich nicht genug für eine Woche. Aber damals hatten wir ja auch noch anderes zu tun (und andere Prioritäten). Wobei es aber schon erstaunlich ist, dass mir in der Erinnerung die Entfernungen viel größer vorkamen als sie tatsächlich sind. Wo ich damals gewohnt habe, weiß ich leider auch nicht mehr (war aber außerhalb), und den Ort der berühmt-berüchtigten Schlammparty habe ich auch nicht mehr ausfindig gemacht. Ist sicher inzwischen bebaut.
Montag hatten wir uns dann zuerst ein näheres Ansehen der alten römischen Stadtanlagen (Aquincum) vorgenommen. Leider sind wir mit der Vorortbahn HÉV erst zu weit gefahren und haben uns dort nur ein kleines Amphitheater (das wohl zwischenzeitlich auch von Obdachlosen genutzt wurde) sowie das Ausgrabungsmuseum der Bürgerstadt von außen ansehen können - geöffnet wird erst am 15.4. :-( Zurückfahren zu den Anlagen der Militärstadt (mit dem großen Amphitheater) wollten wir dann aber auch nicht, deshalb sind wir direkt weiter nach Szentendre, einem kleinen Städtchen nördlich von Budapest, das allgemein sehr empfohlen wird. Das hat auch seinen guten Grund (wenn man mal die Souvenirshop-Hyperinflation ignoriert), da es ein paar sehr nette Gässchen und einen schönen kleinen Hauptplatz hat, wo sich angenehm ein Kaffee trinken lässt. Nur hatten irgendwie an Ostermontag, bei langsam einsetzendem Sonnenschein, irgendwie alle diese Idee - ausnahmsweise mal nicht vorweigend Deutsche, sondern wohl i.W. Budapester (sehr zum Verdruss der Souvenir-Verkäufer, aber immerhin mich hat einer nach zweimaligem Preisnachlass (ohne eigenes Dazutun) zu einem Kauf überreden können).
Mittwoch abend sei noch erwähnt, da waren wir nämlich zum Abschied noch in dem Restaurant Fatál. Auch eine Empfehlung für Touristen (man muss auch tunlichst was reservieren), aber nichtsdestotrotz sehr urig-gemütlich mit einer recht deftigen Speisekarte. Das Wort "fatál" ist dabei zwar nur ungarisch für "Holzteller", aber fatal sind hier tatsächlich die Portionsgrößen. Angesichts dieser Tatsache sind die - schon so nicht überteuerten - Preise, umgerechnet auf's Gewicht, sogar günstig.
Und dann war da noch die irische Pensionisten-Reisegruppe - mit zwei der älteren Iren kamen wir auch sehr nett in's Gespräch (was meine Begeisterung, ohne jemals in Irland gewesen zu sein, mal wieder bestätigt :-), und ich weiß jetzt auch, was der irisch-gälische Ausdruck "Pohg-mahon" (oder so ähnlich) heisst: "Kiss my ass"...

Trainees
Damit ihr mal 'nen Eindruck kriegt, was sich hier so tut: Neben Dora (GR) ist seit letzter Woche auch Paul (US) weg, Nics (NZ) hat - aus familiären Gründen - abgebrochen, dafür sind mittlerweile neu: Jeff (AUS), Will (COL, beide waren am WE mit), Björn (D), Catherine (US), Vidal (El Salvador, alle drei in Miskolc), Eds (NZ), außerdem eine Japanerin sowie ein Thailänder (mit Schweizer Freundin), die ich beide noch nicht kenne. Und eine Thailänderin ist wohl auf dem Weg. Und irgendwen hab ich sicher vergessen...

>> 2004/04/05

Frühjahrsputz
Ja, wir haben es getan! Nachdem wir drei Monate (oder länger, ich bin ja erst später dazu gestoßen) einfach alles vollgesaut haben, hatten wir uns für gestern ein echtes Großreinemachen vorgenommen. Zumal ich ja nicht - wie ich ursprünglich vor hatte - mit ein paar anderen nach Bratislava bin (nach so vielen Wochenenden irgendwo anders, immer wieder die Sachen packen etc...). Ich meine, dass unser Wohn-/Esszimmer immer mehr zukrümelt, war leider kaum zu vermeiden, da wir keinen funktionierenden Staubsauger haben, aber dass sich in letzter Zeit überhaupt noch Gäste auf unsere Toilette gewagt haben, ist schon verwunderlich...
Aber jetzt komm ich mir fast vor wie in einer neuen Wohnung. Ehrlich, viel wohnlicher - und vor allem haben wir in dem Zimmer, wo Piotr und ich schlafen, ein bisschen umgestellt: Mein Bett steht nicht mehr in der Mitte, sondern da, wo Piotr schlief, dessen Bett hat jetzt Saim und er selber schläft auf dem wiederhergestellten Uraltbett neben der Balkontür. Dann noch die roten Sofas umgestellt und plötzlich entsteht massig viel Raum im Zimmer - viel luftiger, der Sommer kann kommen!

Something's Gotta Give (Was das Herz begehrt)
...ist der neue Film mit Jack Nicholson quasi in der Rolle seines Lebens, als alternder Playboy. Dazu eine ältere Mutter (Diane Keaton, die für ihr Alter wirklich erstaunlich gut aussieht - und hinreissend spielt), die in der Folge zwischen Jack und einem jüngeren Mann (Keanu Reeves als netter, aber für seine Verhältnisse ziemlich uncharismatischer Doktor) hin- und hergerissen ist, nachdem ihr Liebesleben jahrelang auf Eis lag.
Kein wahnsinnig tolle Story, aber als Samstagabend-Unterhaltung (nach einem harten Tag voll Saubermachen) sehr lustig. Nicholson spielt mal wieder alles an die Wand, wie soviel Charisma in eine Person passt, ist immer wieder ein Wunder. Der braucht nur die Sonnenbrille und sein diabolisches Lächeln aufzusetzen - da stört auch der Schmähbauch nicht und auch nicht, wenn sein nicht mehr wirklich knackiger Arsch aus dem Krankenhaus-Rock schaut. Aber auch Diane Keaton ist wirklich zauberhaft!
Favorite quote (grob übersetzt): Jack: Was ist mit Verhütung? - Diane: Menopause!

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