>> 2004/03/31
Disclaimer: Wie die meisten von Euch ja wissen dürften, bin ich erklärter Atheist, und auch wenn ich einiges Halbwissen über meine "Mutterreligion" habe, bin ich doch mit den Evangelien nicht (mehr) wirklich vertraut. Um es etwas krasser zu sagen: Der Großteil meines momentanen Wissens über die Jesus-Geschichte stammt aus Jesus Christ Superstar. Also bitte nicht böse sein, wenn ich irgendwo Unsinn erzähle (lieber mir den Fehler mailen)!
Eine Sache dennoch: Ich bin mir ziemlich sicher, dass es 39 Schläge waren, und nicht um die 70 - es werden zwar nicht alle direkt gezeigt, aber ich weiß noch genug Latein, dass ich den zählenden Römer verstehe...
OK, ich werd das Ganze besser in einzelnen Punkten durchgehen, denn zu so einem in den Medien aufgebauschten Film gibt's doch viel zu sagen (und ich schreibe ja auch gerne über Filme):
Brutalität: Sicher kein Film für schwache Nerven. Aber nach dem, was ich vorher gehört habe auch maßlos überbewertet. Die Gewaltdarstellung ist die meiste Zeit wie immer in Filmen: Im entscheidenen Moment wird das eigentliche Geschehen unscharf oder die schnelle Kamerafahrt verwischt die Handlung oder es werden nur die Geräusche benutzt. Von den (mehr als 39) Hieben sieht man vielleicht 20, und nur einige sind echt übel. Meist wird doch eher Blut gezeigt (wenn auch auf deutlich realistischere Weise als bei Kill Bill) - wirklich übel ist nur das Nageln an's Kreuz, das ist dann doch hart an der Grenze.
Antisemitismus: Wie gesagt, ich kann nur glauben, wenn es heißt, die Bibel wäre 1:1 verfilmt worden (wobei es sich natürlich sowieso nur um eins der vier Evangelien handelt, aber das führt hier zu weit) - und der Papst sagt "Es ist, wie es war". Also, wenn der Film antisemitisch ist, ist die Bibel antisemitisch - und das zweite (?) vatikanische Konzil hat ja die Kollektivschuld der Juden verneint (im Gegensatz zu der Sekte, der die Gibsons angehören - Mel's Vater verneint dafür lieber den Holocaust, aber das führt hier ebenfalls zu weit...).
Mit meiner etwas distanzierten Sicht kann ich auch nix in der Hinsicht entdecken:
Der jüdische Klerus verhält sich, wie sich religiöse Führer eben verhalten: Sie wollen ihre Macht erhalten.
Der jüdische Mob tut, was ein vom Klerus aufgestachelter Mob tut: Rumschreien und fordern, was den geistlichen Führern in den Kram passt.
Der römische Statthalter tut, was ein Statthalter so tut: Die Leute möglichst nicht zu sehr verärgern, aber auch nicht den Kaiser in Rom. Also wieder Machterhalt.
Und der gemeine römische Soldat tut, wie ihm von seinem Vorgesetzten geheißen - und Folter war wahrscheinlich noch die größte Abwechslung bei der Arbeit da.
Ach ja, und König Herodes ist eben ein dekadenter Lebemann, dem der Rest egal ist - was einem König ohne echte Machtbefugnisse in einem besetzten Land eben so an Möglichkeiten bleibt.
Also: Jeder tut, was er in einer dem Volksaufstand nahen Situation zu tun hat. Es sind sogar mehr Juden, die Jesus zu helfen versuchen als Römer, bei denen ist es nur Pilatus Frau, Pilatus selber versucht's ja nur halbherzig, um dann seine berühmten Hände in Unschuld zu waschen. So what?
Außerdem (auch auf die Gefahr hin, das Argument von Bibelexperten um die Ohren gehauen zu bekommen oder einige religiöse Gefühle zu verletzten): Wenn der ganze Sinn/das Ziel der Jesus-Geschichte ja mehr oder weniger das Leiden und das damit verbundene auf-sich-nehmen der Sünden ist, kann doch niemand den Leuten böse sein, die die Voraussetzungen dafür geschaffen haben?!
Satan: Hier wird der Film dann echt lächerlich: Ein in schwarz gehüllter, ausgemergelter Mann, der immer zuguckt, nicht läuft sondern hinter den Leuten herschwebt (ich dachte immer, der humpelt wegen dem Pferdefuß?!), Babys mit verzerrten Fratzen trägt und nach der Kreuzigung lauthals aufschreit - welches Klischee hab ich/hat Mel Gibson vergessen? Für die Botschaft völlig überflüssig, strunzdoof umgesetzt, mit anderen Worten: "Sechs, setzen, Mel!"
Zum Schluß noch ein paar weniger bedeutende Punkte:
Schauspieler: OK, es geht um unendliches Leid, und die Agonie kriegt Jim Caveziel ganz gut hin, aber dies ist kein Film schauspielerischer Leistung - es geht eigentlich nur um's Make-Up. Dass Monica Belluci (als Maria Magdalena) insgesamt sicher gut 10min leidend in die Kamera blicken darf und dafür noch (nach vielleicht drei Sätzen Text) an zweiter Stelle genannt wird, ist ohne Zweifel eine (typische Marketing-)Frechheit. Überhaupt laufen Maria, Maria Magdalena und ein weiterer Apostel (wahrscheinlich Johannes, s.Disclaimer) eigentlich die ganze Zeit nur leidend hinter Jesus her - dramaturgisch wohl unvermeidbar, aber auch von Peter Steiners Theaterstadl aufführbar. Falls einer von denen dafür 'nen Oscar kriegt, werde ich nie wieder die Verleihung moderieren... ;-)
Musik: Ich weiß, beim Herrn der Ringe hatte ich nix gegen pathetisch-esoterisch angehauchte Musik, aber schon da wär weniger manchmal mehr gewesen. OK, so pathetisch ist's hier dann doch nicht, aber es wird das übliche Arsenal von Chorgesängen und harmonischen Wendungen aufgefahren, was man eben braucht, wenn man der Aussage seiner Bilder nicht traut. Wie schön wäre es doch gewesen, wenn im Garten Gethsemane die Ruhe vor dem Sonnenaufgang geherrscht hätte, die dort sicher üblich war. Dann doch lieber "My time ist almost through/Little left to do/After all I tried for three years/Seems like thirty"...
Sprachen: Ja, der Film ist in Aramäisch und Latein (und hier in Budapest zeigen die sowas für das internationale Publikum glücklicherweise auch mit den originalen englischen Untertiteln). Wobei sich Aramäisch für den Laien auch nicht anders als Elvisch anhört (besonders wenn Jesus spricht, der ja nicht so anders aussieht als Aragorn - oder andersrum). Das Latein konnte ich teilweise sogar verstehen, die Aussprache war natürlich leicht Italienisch gefärbt, aber wir wissen ja auch nicht, wie's sich wirklich anhörte. Manchmal kamen natürlich Assoziationen an einen anderen Film auf ("Geht! Was für eine Form ist das?" - "Imperativ! I!" - "Römer ist aber Mehrzahl, also?" - "Ite, ite!" - "Genau, Romanes ite... domus???").
Interessant am Rande: Die Juden sprechen Caesar nicht etwas "Zäsar", sondern "Kaiser" aus.
Trotz der ganzen Kritik: Insgesamt kein schlechter Film (ja, ich schreib eben lieber über Negatives als über Positives), aber auch nix, was man mehr als einmal sehen müsste. Und vor allem nicht der ganzen Aufregung wert, weder in positiver (s. Einspielergebnisse in USA) noch negativer (Antisemitismus-Vorwurf) Hinsicht.
Ach, und immer dran denken: "Always look on the bright side of life - dü-düt, dü-düt, düdüt-düdüt-düdüt..."
Eine Sache dennoch: Ich bin mir ziemlich sicher, dass es 39 Schläge waren, und nicht um die 70 - es werden zwar nicht alle direkt gezeigt, aber ich weiß noch genug Latein, dass ich den zählenden Römer verstehe...
OK, ich werd das Ganze besser in einzelnen Punkten durchgehen, denn zu so einem in den Medien aufgebauschten Film gibt's doch viel zu sagen (und ich schreibe ja auch gerne über Filme):
Brutalität: Sicher kein Film für schwache Nerven. Aber nach dem, was ich vorher gehört habe auch maßlos überbewertet. Die Gewaltdarstellung ist die meiste Zeit wie immer in Filmen: Im entscheidenen Moment wird das eigentliche Geschehen unscharf oder die schnelle Kamerafahrt verwischt die Handlung oder es werden nur die Geräusche benutzt. Von den (mehr als 39) Hieben sieht man vielleicht 20, und nur einige sind echt übel. Meist wird doch eher Blut gezeigt (wenn auch auf deutlich realistischere Weise als bei Kill Bill) - wirklich übel ist nur das Nageln an's Kreuz, das ist dann doch hart an der Grenze.
Antisemitismus: Wie gesagt, ich kann nur glauben, wenn es heißt, die Bibel wäre 1:1 verfilmt worden (wobei es sich natürlich sowieso nur um eins der vier Evangelien handelt, aber das führt hier zu weit) - und der Papst sagt "Es ist, wie es war". Also, wenn der Film antisemitisch ist, ist die Bibel antisemitisch - und das zweite (?) vatikanische Konzil hat ja die Kollektivschuld der Juden verneint (im Gegensatz zu der Sekte, der die Gibsons angehören - Mel's Vater verneint dafür lieber den Holocaust, aber das führt hier ebenfalls zu weit...).
Mit meiner etwas distanzierten Sicht kann ich auch nix in der Hinsicht entdecken:
Der jüdische Klerus verhält sich, wie sich religiöse Führer eben verhalten: Sie wollen ihre Macht erhalten.
Der jüdische Mob tut, was ein vom Klerus aufgestachelter Mob tut: Rumschreien und fordern, was den geistlichen Führern in den Kram passt.
Der römische Statthalter tut, was ein Statthalter so tut: Die Leute möglichst nicht zu sehr verärgern, aber auch nicht den Kaiser in Rom. Also wieder Machterhalt.
Und der gemeine römische Soldat tut, wie ihm von seinem Vorgesetzten geheißen - und Folter war wahrscheinlich noch die größte Abwechslung bei der Arbeit da.
Ach ja, und König Herodes ist eben ein dekadenter Lebemann, dem der Rest egal ist - was einem König ohne echte Machtbefugnisse in einem besetzten Land eben so an Möglichkeiten bleibt.
Also: Jeder tut, was er in einer dem Volksaufstand nahen Situation zu tun hat. Es sind sogar mehr Juden, die Jesus zu helfen versuchen als Römer, bei denen ist es nur Pilatus Frau, Pilatus selber versucht's ja nur halbherzig, um dann seine berühmten Hände in Unschuld zu waschen. So what?
Außerdem (auch auf die Gefahr hin, das Argument von Bibelexperten um die Ohren gehauen zu bekommen oder einige religiöse Gefühle zu verletzten): Wenn der ganze Sinn/das Ziel der Jesus-Geschichte ja mehr oder weniger das Leiden und das damit verbundene auf-sich-nehmen der Sünden ist, kann doch niemand den Leuten böse sein, die die Voraussetzungen dafür geschaffen haben?!
Satan: Hier wird der Film dann echt lächerlich: Ein in schwarz gehüllter, ausgemergelter Mann, der immer zuguckt, nicht läuft sondern hinter den Leuten herschwebt (ich dachte immer, der humpelt wegen dem Pferdefuß?!), Babys mit verzerrten Fratzen trägt und nach der Kreuzigung lauthals aufschreit - welches Klischee hab ich/hat Mel Gibson vergessen? Für die Botschaft völlig überflüssig, strunzdoof umgesetzt, mit anderen Worten: "Sechs, setzen, Mel!"
Zum Schluß noch ein paar weniger bedeutende Punkte:
Schauspieler: OK, es geht um unendliches Leid, und die Agonie kriegt Jim Caveziel ganz gut hin, aber dies ist kein Film schauspielerischer Leistung - es geht eigentlich nur um's Make-Up. Dass Monica Belluci (als Maria Magdalena) insgesamt sicher gut 10min leidend in die Kamera blicken darf und dafür noch (nach vielleicht drei Sätzen Text) an zweiter Stelle genannt wird, ist ohne Zweifel eine (typische Marketing-)Frechheit. Überhaupt laufen Maria, Maria Magdalena und ein weiterer Apostel (wahrscheinlich Johannes, s.Disclaimer) eigentlich die ganze Zeit nur leidend hinter Jesus her - dramaturgisch wohl unvermeidbar, aber auch von Peter Steiners Theaterstadl aufführbar. Falls einer von denen dafür 'nen Oscar kriegt, werde ich nie wieder die Verleihung moderieren... ;-)
Musik: Ich weiß, beim Herrn der Ringe hatte ich nix gegen pathetisch-esoterisch angehauchte Musik, aber schon da wär weniger manchmal mehr gewesen. OK, so pathetisch ist's hier dann doch nicht, aber es wird das übliche Arsenal von Chorgesängen und harmonischen Wendungen aufgefahren, was man eben braucht, wenn man der Aussage seiner Bilder nicht traut. Wie schön wäre es doch gewesen, wenn im Garten Gethsemane die Ruhe vor dem Sonnenaufgang geherrscht hätte, die dort sicher üblich war. Dann doch lieber "My time ist almost through/Little left to do/After all I tried for three years/Seems like thirty"...
Sprachen: Ja, der Film ist in Aramäisch und Latein (und hier in Budapest zeigen die sowas für das internationale Publikum glücklicherweise auch mit den originalen englischen Untertiteln). Wobei sich Aramäisch für den Laien auch nicht anders als Elvisch anhört (besonders wenn Jesus spricht, der ja nicht so anders aussieht als Aragorn - oder andersrum). Das Latein konnte ich teilweise sogar verstehen, die Aussprache war natürlich leicht Italienisch gefärbt, aber wir wissen ja auch nicht, wie's sich wirklich anhörte. Manchmal kamen natürlich Assoziationen an einen anderen Film auf ("Geht! Was für eine Form ist das?" - "Imperativ! I!" - "Römer ist aber Mehrzahl, also?" - "Ite, ite!" - "Genau, Romanes ite... domus???").
Interessant am Rande: Die Juden sprechen Caesar nicht etwas "Zäsar", sondern "Kaiser" aus.
Trotz der ganzen Kritik: Insgesamt kein schlechter Film (ja, ich schreib eben lieber über Negatives als über Positives), aber auch nix, was man mehr als einmal sehen müsste. Und vor allem nicht der ganzen Aufregung wert, weder in positiver (s. Einspielergebnisse in USA) noch negativer (Antisemitismus-Vorwurf) Hinsicht.
Ach, und immer dran denken: "Always look on the bright side of life - dü-düt, dü-düt, düdüt-düdüt-düdüt..."
Skiurlaub
Ach ja, Skifahren war ja auch noch - nur kurz: Lange nicht mehr so tollen Schnee gehabt. Anfang der Woche (als meine Schwester da war) war noch recht warm, als ich am Mittwoch kam, gab's aber Wintereinbruch. Zwar nur wenig Neuschnee, aber genug, um an den nächsten Tagen hervorragende Verhältnisse zu schaffen. Donnerstag und Freitag war's dann noch etwas diesig und windig, Samstag aber Traumwetter, nicht zu kalt und nicht zu warm, einfach herrlich! Wie gesagt, lange nicht mehr einen so schönen Skitag erlebt! Ansonsten natürlich 'nen Gemütlichen gemacht, war ganz interessant, die (meist doch eher subtilen) Veränderungen in dem Ort zu sehen, in dem ich meine ganze Ski-Kindheit verbracht habe. Und ich hab nachgeguckt: Das letzte Mal war ich da 1995!>> 2004/03/23
Pécs, Skifoahn
Nur ganz kurz, hab nämlich zu tun (!): Das Reception Weekend in Pécs war schön, anstrengend und sehr gelungen, was vor allem auf die über 4-stündige (oder waren's 5? oder 3?) Weinprobe in Villany (hicks) zurückzuführen ist. Danach hatte ich dann meine schon vorher angeschlagene Stimme endgültig verloren, weshalb ich mich sogar selbstlos von den weiteren Feierlichkeiten des Abends fernhielt.
Morgen geht's dann nochmal für ein paar Tage Winterfreuden genießen: Fahre nach Nauders, zu meinen Eltern, um von Donnerstag bis Samstag ein bisschen die Pisten unsicher zu machen. Bin mal gespannt, wie es in dem Kaff, in dem ich vor 22 Jahren (jaja, man wird alt) Skifahren gelernt habe, danach mind. 10x mit meinen Eltern war, aber das ich seit 7 Jahren nicht mehr gesehen hab. Danach kann dann der Frühling kommen! Ski heil!
>> 2004/03/17
Frühling lässt sein güldnes Band...
Was für ein Wetter heute! Sonne, angenehme Temperaturen - und nach einem Tag Totalausfall gibt's auch wieder Internet bei uns in der Firma! Was will man mehr...?Zagreb
Am Montag war ungarischer Nationalfeiertag (zu Ehren der Revolution von 1848), was uns die Möglichkeit gab, das verlängerte Wochenende für eine Tour zu einem etwas entfernteren Ziel zu nutzen. Erst war ja mal Belgrad im Gespräch, das ging aber bei mir nicht, da ich einen Reisepass gebraucht hätte (ebenso wie für Polen, sonst reicht eigentlich überall mein Perso). Slowenien fand keine Mehrheit, auch Bratislava nicht, da dann doch irgendwie zu nah. So kamen wir dann auf Zagreb. Mit dem direkten IC von Budapest sind das nur gut 5h (was allerdings ein Idealwert ist, der - wie wir jetzt wissen - quasi nie erreicht wird).
Ursprünglich war das die Planung von Saim, Zach und mir, aber die Kombination änderte sich noch mehrfach. Erst kamen Theodora und Joao dazu, dann Rudi, dann noch Rebecca, Chris und noch wer aus Szeged, dann sprang Zach aber wieder ab (zuwenig Geld und neue Liebe :-), schließlich auch wieder die Szeged-Leute, so dass wir letztlich 5 waren.
Zur Übernachtung fiel dann die Wahl auf das Omladinski Youth Hostel, auch wenn dieses anscheinend einen Ruf als eines der übelsten Hostels weltweit zu verteidigen hat. Die Alternative liegt aber deutlich weniger zentral und ist ausserdem teuer, so haben wir für zwei Nächte das Risiko in Kauf genommen. Um es gleich vorwegzunehmen: Die JH ist zwar tatsächlich alt, ziemlich pekig und recht verkommen, aber immer noch im "Backpacker"-Rahmen. Vermutlich sind die meisten heutzutage einfach viel zu sehr an Hotel-artige Jugendherbergen gewöhnt. OK, für eine Woche wollte ich da auch nicht sein, aber es hielt sich doch alles im Rahmen (auch die Rezeption war entgegen der Berichte zwar nicht übermäßig hilfsbereit, aber auch nicht extrem unfreundlich. Soll übrigens demnächst renoviert werden, wobei ich allerdings nicht ausschließen möchte, dass man sich womöglich eher bemühen will, den Ruf des Hostels zu wahren, der uns auch in Kommentaren von Zagrebern entgegenschlug.
Apropos Kommunikation: Um es übertrieben zusammen zu fassen: Wenn man einen Kroaten fragt "Do you speak English" und die Antwort "A little bit" lautet, so kann man mit ihm über alles ausser Gruppenhomomorphismen und Quantenphysik reden. Bei einem Ungarn bedeutet dieselbe Antwort aber nur, dass er die Bedeutung der Worte "A little bit" kennt. Nee, aber im Ernst: Kommunikation war absolut kein Problem, selbst die älteren Leute waren des Englischen ausreichend mächtig - und dazu kommt, dass man sich mit kroatischen Aufschriften auch gleich viel besser zurechtfindet als mit ungarischen...
Aber der Reihe nach: Am Samstag ging's in aller Frühe (6:45h) los, und wir hatten sogar unerwartete Begleitung: Sanya, unsere Kroatin, fuhr nämlich ebenfalls mit dem Zug, um zuhause vorbeizuschauen. Sie ließ uns zwar eher an unserem Vorhaben zweifeln (Zagreb sei langweilig, in Kroatien gäbe es viel bessere Reiseziel), aber egal. Die Fahrt verlief recht pünktlich, der längere Halt an der Grenze ist ja noch normal (auch wenn es etwas komisch war, dass sich der Grenzbeamte mit Saims Pass erstmal einfach so abmachte, um dann nach über einer Viertelstunde wieder aufzutauchen - als der Zug schon längst wieder fuhr). Aber plötzlich hieß es dann: "Aussteigen, Bus!" Offensichtlich wurde an der Strecke gebaut, weshalb wir ein ganzes Stück mit dem Bus fuhren, bevor dann für die letzten Meter wieder ein Zug bereitstand. Das führte zwar letztendlich zu einer Verspätung von einer guten Stunde, aber dafür bekamen wir eine ganz nette Fahrt durch's kroatische Hinterland.
Zagreb selber erwies sich dann zwar tatsächlich als klein, aber fein. Naja, nicht wirklich klein (je nach Quelle 700-800.000 Einwohner, teilweise auch 1 Mio., was sich wohl auf den ganzen Großraum bezieht), aber zumindest von der Innenstadt her recht übersichtlich. Daher wahrscheinlich Sanyas Meinung, wenn man da seine Jugend verbringt, wird es auf die Dauer womöglich recht langweilig, da es soviele Attraktionen denn auch nicht gibt. Aber für unsere zweieinhalb Tage war's schon OK. Wir haben auch mehr den Gemütlichen gemacht, viel in Cafés gesessen, Cevapi, Pljeskavica und Rajnici gegessen und das leicht mediteran angehauchte Flair genossen. Das wärmere Wetter, das sich über's Wochenende überall hier in der Gegend durchsetzte, tat ein Übrigens - vor allem unsere Griechin fühlte sich fast wie zuhause :-) Und die Preise (Landeswährung: Kuna, ung. 7,5€) befinden sich im erträglichen Rahmen. Daneben sind wir noch ein bisschen durch die Oberstadt (jaja, fast wie in Siegen) gewandert.
Aufgrund der geringen Verständigungsprobleme ließen wir uns dann von der einheimischen Jugend Tips für den Abend geben, so dass wir im Saloon landeten. Im Prinzip sehr nett, mit einem sehr stylischen, ganz in weiß gehaltenen, Bereich und einer "normalen" Tanzfläche. Allerdings machten wir - vor allem Theodora - hier doch die Erfahrung, dass das Verhalten der männlichen Bevölkerung doch irgendwie zum leicht machohaft-aggresiven tendiert. Nicht nur, dass Dora über das normale Mass angemacht wurde, auch wir Männer hatten den Eindruck, dass sich doch allgemein mehr mit Ellbogen und weniger mit Rücksicht bewegt wurde. Nun ja...
Am Sonntag haben wir uns dann ein bisschen weiter umgesehen, den (sehr schönen und großen) Marksimi-Park, den Friedhof (mit dem riesigen Grab des ersten kroatischen Premierministers (oder Präsident?), Franjo Tudjman) und ein bisschen mehr von der Innenstadt. Sanya hat schon recht, nach zwei Tagen hat man das meiste gesehen - aber auch und gerade deshalb ideal für unser Wochenende...
Die Rückfahrt am Montag ging dann zwar ohne Bus vonstatten, aber dennoch mit 40min Verspätung, so dass Joao und Rudi nur gerade so noch ihre Züge nach Hause kriegten (zumal sie auch noch in Budapest zu einem anderen Bahnhof mussten). Theodora hingegen übernachtete mal wieder bei uns und musste dafür um 5h raus, um den 6.15h-Zug zu kriegen, damit sie pünktlich zur Arbeit wieder in Miskolc ist... Und da irgendwann dann auch Piotrek aus Paris (eine Freundin besuchen) wiederkam, bekamen wir alle nicht allzuviel Schlaf.
Um dann heute morgen bei der Arbeit einen totalen Internetausfall zu erleben - erstaunlich, dass die hier den ganzen Tag ohne email und so auskommen. Ich in jedem Fall nicht ;-)
>> 2004/03/12
Anke Engelke soll ja die Berlinale mit den Worten eröffnet haben, dass der (153min lange) Film "gefühlte zweieinhalb Tage lang" wäre - da muss ich dann aber doch eine Lanze brechen, fand ich nämlich überhaupt nicht. OK, ich hab schon kurzweiligere (Unterhaltungs-)Filme gesehen, aber die Länge fiel im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Produktionen nicht negativ in's Gewicht. Vielleicht kam dem Film dabei das episodenhafte zugute, was zwar den roten Faden teilweise sehr dünn werden liess, aber dafür für Abwechslung sorgte. Und wenn's sich doch etwas hinzog, konnte man seine Augen immer noch auf Nicole Kidman fokussieren.
Die sieht auch in den tiefsten Bürgerkriegswirren noch überirdisch schön aus (ist die eigentlich wieder frei? ;-), auch Jude Law, der zwar die üblichen oberflächlichen Wunden davonträgt, sieht irgendwie mit Soldaten-Vollbart fast noch besser aus als sauber rasiert. Den Gegenpart dazu bildet Renée Zellweger, die als burschikoses Südstaaten-Mädel vom Lande Ruby in Ada's (Kidman) Welt einbricht und erstmal dem Hahn, vor dem sich diese bisher immer ängstlich mit einer Harke gewehrt hat, kurzerhand den Hals umdreht. Das macht sie wunderbar lässig, mit breitem (und für mich kaum verständlichen) Südstaaten-Slang und natürlich vom Maskenbildner zwar nicht auf hässlich, aber doch eindeutig auf Landei gestylt. Umso mehr fällt dann aber auf, dass diese Ruby zwar anscheinend schon zwei Stunden vor Sonnenaufgang in den Stall geht, aber vorher noch Zeit für die tägliche Zahnpflege mit Perlweiss hat, denn die Beisserchen blitzen wie frisch gewienert.
Apropos Make-Up: Vor kurzem habe ich einen Kommentar gelesen, dass heutzutage Frauen nur noch dann den Oscar kriegen, wenn sie Mut zur Hässlichkeit beweisen: Nicole Kidman letztes Jahr für Virginia Wolff (mit Nasenprothese), dieses Jahr Charlize Theron (die ich ja gar nicht so hübsch finde, auch wenn mich jetzt alle für verrückt halten) für Monster und Renée Zellweger, auch Julia Roberts hatte bei Erin Brockovich ja keinen Eleganz-Auftritt. Um es zynisch zu sagen: Schauspielerinnen kriegen mittlerweile immer den alternativen Make-Up-Oscar...
Ansonsten auch ein bemerkenswertes Cast (das Cast? der Cast? die Cast???) - Donald Sutherland, Natalie Portman (als resolute Kriegs-Witwe), Jack White (jaja, der von den White Stripes) und sogar das Mädel aus Donnie Darko, Jena Malone, in einem (sehr kurzem) Kurzauftritt, der mehr verspricht...
Alles in allem ein durchaus empfehlenswerter Film mit von allem etwas, Action, Witz und Romantik. Achtung Spoiler: Und normalerweise mag ich ja keine (Hollywood-)Happy Ends, aber hier wär mir ein (nicht zu kitschiges) doch ganz lieb gewesen, so ist's denn doch recht traurig...
Die sieht auch in den tiefsten Bürgerkriegswirren noch überirdisch schön aus (ist die eigentlich wieder frei? ;-), auch Jude Law, der zwar die üblichen oberflächlichen Wunden davonträgt, sieht irgendwie mit Soldaten-Vollbart fast noch besser aus als sauber rasiert. Den Gegenpart dazu bildet Renée Zellweger, die als burschikoses Südstaaten-Mädel vom Lande Ruby in Ada's (Kidman) Welt einbricht und erstmal dem Hahn, vor dem sich diese bisher immer ängstlich mit einer Harke gewehrt hat, kurzerhand den Hals umdreht. Das macht sie wunderbar lässig, mit breitem (und für mich kaum verständlichen) Südstaaten-Slang und natürlich vom Maskenbildner zwar nicht auf hässlich, aber doch eindeutig auf Landei gestylt. Umso mehr fällt dann aber auf, dass diese Ruby zwar anscheinend schon zwei Stunden vor Sonnenaufgang in den Stall geht, aber vorher noch Zeit für die tägliche Zahnpflege mit Perlweiss hat, denn die Beisserchen blitzen wie frisch gewienert.
Apropos Make-Up: Vor kurzem habe ich einen Kommentar gelesen, dass heutzutage Frauen nur noch dann den Oscar kriegen, wenn sie Mut zur Hässlichkeit beweisen: Nicole Kidman letztes Jahr für Virginia Wolff (mit Nasenprothese), dieses Jahr Charlize Theron (die ich ja gar nicht so hübsch finde, auch wenn mich jetzt alle für verrückt halten) für Monster und Renée Zellweger, auch Julia Roberts hatte bei Erin Brockovich ja keinen Eleganz-Auftritt. Um es zynisch zu sagen: Schauspielerinnen kriegen mittlerweile immer den alternativen Make-Up-Oscar...
Ansonsten auch ein bemerkenswertes Cast (das Cast? der Cast? die Cast???) - Donald Sutherland, Natalie Portman (als resolute Kriegs-Witwe), Jack White (jaja, der von den White Stripes) und sogar das Mädel aus Donnie Darko, Jena Malone, in einem (sehr kurzem) Kurzauftritt, der mehr verspricht...
Alles in allem ein durchaus empfehlenswerter Film mit von allem etwas, Action, Witz und Romantik. Achtung Spoiler: Und normalerweise mag ich ja keine (Hollywood-)Happy Ends, aber hier wär mir ein (nicht zu kitschiges) doch ganz lieb gewesen, so ist's denn doch recht traurig...
>> 2004/03/09
Wieder zurück...
Sorry für die lange Funkstille. Ich hatte zwar in Hannover die Möglichkeit mit meinem Laptop in's Netz zu gehen, aber keine Lust auf bloggen geschweige denn auf neue Bilder in's Netz stellen (das mit den Bildern ist sowieso so eine Sache, man sammelt immer mehr von anderen Leuten ein und kommt nicht mit dem Sichten nach - hab jetzt schon fast eine CD voll. Aber demnächst gibt's auch nochmal ein paar ausgewählte...).
Seit Samstag bin ich wieder zurück, und das ist auch gut so ;-) Nein, war schon eine gute Sache - es war zwar nicht wirklich eine "Zurück in die Heimat" (außer vielleicht beim Einkaufen im Supermarkt - und Asiashop ;-), dazu ist Hannover dann doch zu langweilig und unbekannt. Und natürlich war es toll, mal wieder in einem eigenen Zimmer zu sein und vom Bett aus fernsehen zu können ("And the Oscar goes to... The Lord of the Rings: The Return of the King!"). Und kurz in Siegen war ich ja auch (wobei ich auf die Umstände - warum, wieso, weshalb - hier nicht näher eingehen möchte, hat mit meinem Arbeitsvisum zu tun, das ich doch brauch, aber das ist eine Geschichte für sich, die ich gar nicht mehr ausbreiten möchte...), aber nur eine Nacht.
Ich will jetzt auch gar nicht in's Detail gehen (wen's interessiert, der frage mich persönlich). Es war eine interessante Erfahrung, in so einer Riesenfabrik (VW-Nutzfahrzeuge, um genau zu sein - und die Giesserei, in der wir waren, war noch ein kleiner Teil) was aufzubauen, im Zusammenspiel mit den ganzen anderen Zulieferern (Elektrik, Druckluft, Förderbänder, etc.),... Es lief auch wohl recht gut, gab natürlich immer wieder Probleme, aber weniger bei uns als bei den anderen Zulieferern (vor allem die Förderband-Leute haben ziemlich gepfuscht).
Meine Aufgabe war dabei zum einen natürlich die Kommunikation, gerade am Anfang, als wir zu fünft waren, von denen einer leidlich und einer kaum englisch sowie der Rest nur ungarisch sprach. Die ersten Tage kamen wir auch recht gut voran, das Soll wurde jeweils zeitig erfüllt (und ich hab auch mal mit angepackt und nicht nur die Arbeiten überwacht...) und wir konnten uns abends gemütlich irgendwo was Gutes einverleiben. Aber Sonntag wurd's dann aber stressiger, die Produktion ging wieder los und musste erst an unserer Anlage vorbei und dann natürlich irgendwann durch sie hindurch laufen. Während ich mich kurz nach Siegen verdrückte, aber natürlich auch meine Präsentation für die Mitarbeiter-Schulung vorbereiten musste (es ist tatsächlich gut möglich, im ICE mit Laptop an einem der kleinen Tische mit Stromanschluß zu arbeiten - wenn sich wie ich vorher keine Zeit dafür nimmt...). Die wurde dann Dienstag mit meinen Leuten durchgesprochen, Mittwoch dann den VW-Leuten vorgeführt und dann kamen alle Schichten dran: Nacht- (Mi 21:30), Spät- (Do 13:30) und Frühschicht (Fr 5:30), jeweils so 2,5h. Das hält sich von der Arbeitszeit zwar noch in Grenzen, aber die restliche Zeit konnte ich mich selten wirklich ruhen, viel herumstehen und herumlaufen mit vereinzelten Aufträgen, das schlaucht doch ganz schön...
Insgesamt aber eine absolut gute Sache: Ich kenn die Leute (zumindest einige) besser, weiss jetzt, was die Maschine macht (und kann sie sogar leidlich bedienen) und kann mich alles in allem sogar inzwischen ein bisschen mit der Firma identifizieren. Und wenn man dazu die Spesenrechnung nimmt, die ich vorlegen durfte ;-)
Samstag abend gab's dann noch ein letztes Wiedersehen mit Geerte (HOL) und Burcu (TUR); von letzterer hatte ich mich eigentlich schon vor der Fahrt verabschiedet, aber die war doch noch da. Geht doch schnell, dass die ersten, mit denen man recht viel/guten Kontakt hatte, die Koffer packen. Es sind aber auch viele mit nur 3-4 Monaten Praktikum, am Ende meiner 10 Monate werde ich mich echt als Veteran fühlen...