>> 2004/01/27

Achtung: Zwei ältere, nachgereichte Artikel!

Sorry für die lange Pause, aber das Wochenende war recht ereignislos. Am Freitag und Samstag abend jeweils nur recht entspanntes Abhängen im Pub :-)
Für Sonntag war dann ein Ausflug nach Gödöllö geplant, dem Liebslingschloss von "unserer" Kaiserin Sissi ("Franz!" - "Sissi!"). Ist nicht weit weg, am Örs Vezer Ter (Örsch veser tär) die Vorortbahn (HÉV) genommen, dann ung. 45min. Leider musste ich den vollen Preis bezahlen, da die meinen Internationalen Studiausweis nicht akzeptieren und mein AIESEC-LC (Local commitee) keine ausstellt (andere machen das, dammit). Und das Studiticket kostet weniger als ein Drittel - wobei ich dann auf der Rückfahrt feststellte, dass ich nur 234Ft statt 374Ft (also weniger als 1€) bezahlen musste, da das andere Ticket auch innerhalb Budapests gilt, wofür ich ja eine Monatskarte habe. Warum dann allerdings auf der Hinfahrt überhaupt der volle Preis gilt, wo wir doch Budapest verlassen, ist mir schleierhaft...
Die Fahrtt war eigentlich ganz nett, ausserhalb Budapests war's auch deutlich weisser. Waren neun Leute, ausserdem erwartete uns eine AIESECerin am Haltepunkt in Gödöllö. Die war's dann auch, die mich - schon im Zug - anrief, sie hätte gerade festgestellt, dass das Schloss bis Anfang Februar geschlossen ist. Klasse! Da wir schon im Zug saßen, blieb uns aber nicht viel anderes übrig, als trotzdem die Sehenswürdigkeiten von Gödöllö in Augenschein zu nehmen. Da wären nämlich das Schloß, das Schloß und, äh, das Schloß. Kann mir vorstellen, dass das früher zu Zeiten der Doppelmonarchie ganz nett war, wahrscheinlich nicht viel weit und breit außer dem Schloß. Aber heutzutage ist es tatsächlich am besten, es sich von außen anzusehen - von innen rausgucken dürfte nämlich recht unschöne Anblicke ergeben - hier sind die Überbleibsel real-sozialistischer Baukultur doch in der Überzahl. Siehe Újpest...
Naja, wir haben dann einfach ein Restaurant aufgesucht, was gegessen, sind danach noch etwas rumgelaufen und dann zurück nach Budapest. Wo wir dann zuhause noch einen kleinen Videoabend mit Bowling for Columbine gemacht haben.

Soviel zum Wochenende. Wann ich das hier in's Netz setzen kann, weiss ich nicht, weil ich mich heute etwas erkältet habe - morgens waren's nur Kopfschmerzen, nachher war man dann auch etwas kalt und meine Kollegen haben wir dazu geraten, doch besser zu gehen. Was eigentlich eine Schande war, da ich zum ersten Mal eine wirklich tagesfüllende Aufgabe hatte. Thomas (der hatte mir schon recht frühzeitig das Du angeboten, was auch in der Firma sowieso üblich ist - aber mit einem Deutschen gewöhnt man sich das immer schwer an, da wir ja die Unterscheidung machen; mit den anderen rede ich ja englisch, das macht die Sache einfacher. Auch wenn man natürlich thou verwenden könnte ;-) hatte mich in einen Auftrag von BMW eingeführt, über den heute entschieden werden sollte. Da musste ich mal einige Sachen querlesen, ausserdem für einen Kollegen ein paar Sachen in's Englische übersetzen. Das habe ich auch noch geschafft, vor dem Meeting bzgl. der endgültigen Entscheidung war ich dann aber schon weg und hab' mich in's Bett gelegt. Hätte auch am Sonntag nicht von Bucu's Cola trinken sollen, die war zuletzt krank gewesen...

>> 2004/01/26

Nächste Woche darf/muss ich übrigens vielleicht meinen ersten Geschäftsflug antreten - bei BMW in Landshut. Da muss eventuell einer der Ungarn hin und ein Gespräch führen, wo ich dann für den "Sprach-Notfall" mit soll. Wär' ja mal was anderes!

Apropos Sprache - mal wieder eine Bemerkung zum Ungarischen: Man macht hier absolut keinen Unterschied zwischen Willkommens- und Verabschiedungsgruß. Szia(sztok), Servusz und Hallo sind immer richtig - was natürlich vor allem bei letzterem verwirrend ist, wenn einem bei Arbeitsschluss noch ein "Hallo" entgegengeschmissen wird ;-) Aber unser beliebtes Ciao ist ja im Italienischen auch eher eine Begrüßung als ein Abschied. In jedem Fall muss man sich keine Gedanken machen, was gerade angebracht ist...

Und wo wir grade bei solchen unwichtigen Sachen sind:
Ich bin ja inzwischen daran gewöhnt, dass es so gut wie keine klanglichen oder schreibtechnischen Verwandtschaften zwischen Ungarisch und Deutsch gibt - gerade wenn zwei Wörter gleich geschrieben werden, haben sie mit ziemlicher Sicherheit unterschiedliche Bedeutungen.
Aber Ausnahmen bestätigen immer noch die Regel - und mein momentanes Lieblingswort ist friss. Nein, das hat natürlich nichts mit fressen zu tun - aber s wird ja schließlich auch wie sch ausgesprochen. Also friss = frisch. Und, tatsächlich heißt "friss" auf deutsch "frisch". Ich bezweifle aber, dass das Wort irgendwie aus dem Deutschen kommt...

>> 2004/01/23

Und wieder ein paar Bilder!

>> 2004/01/22

So, jetzt hab ich's doch endlich mal geschafft, einen Friseur aufzusuchen. Vor der Abfahrt war ich nicht mehr dazu gekommen, und inzwischen hatte sich doch eine ziemliche Matte auf meinem Kopf gebildet, die vor allem eins war: Unpraktisch. Morgens früher aufstehen zum Haare waschen, da abends duschen in der Hinsicht nix mehr bringt, und so.
NUr ist das mit dem Friseur schon so eine Sache. Sich ohne Sprachkenntnisse im Supermarkt was zu besorgen, ist ja kein Problem, wenn die Kasse keine Anzeige hat, bezahlt man eben mit einem großen Schein (und harrt des Kleingelds, das da kommen mag - hatte anfangs denn auch eine ziemliche Inflation in meinem Portmonnaie [Betonung auf dritter Silbe, oder Iris?]). Nur beim Friseur ist schon etwas mehr Kommunikation angesagt, weshalb ich mich auch erstmal davor gedrückt hatte. Man findet natürlich in der Innenstadt genügend Friseure, die auch schon auf deutsch oder englisch werben - aber billig wird das sicher nicht.
Also war ich heute denn endlich beim férfi fodrasz, also Herrenfriseur, direkt an unserer Metrostation. Und hatte Glück: Die Friseurin [warum hat man eigentlich Friseuse abgeschafft?] konnte zwar kein Wort Englisch, aber der junge Herr, an dem sie gerade zugange war. Der hat ihr dann erklärt, was ich ihm gesagt hab - und bingo! Na gut, sind jetzt eher 1cm als 1,5-2cm - aber in diesem Fall gilt: Kann nicht kurz genug sein. Umso länger muss ich mich nämlich nicht wieder aufraffen. OK, momentan ist's wieder richtig schön kalt hier, aber ich hab ja eine tolle Mütze zu Weihnachten geschenkt bekommen :o)
Und gekostet hat das ganze nur etwas mehr als 4€!

Noch 'ne ganz andere Geschichte: Gerade klingelte das Telefon - jemand fragte auf mein "Hello" hin: "Kann ich bitte Miriam irgendwas sprechen?" (sie sagte natürlich nicht irgendwas...). Leicht verdutzt sagte ich ihr auf deutsch, dass sie sich verhält habe. Natürlich klingelte es kurz darauf ein zweites Mal. Diesmal sprach ich dann etwas länger mit ihr. Sie wollte nämlich ihre Enkelin anrufen, die hier in Budapest studiert und im Studentenwohnheim wohnt. Und die hatte ihr kurz zuvor tatsächlich exakt unsere Nummer gegeben! Verrückt, dass sie mit der falschen Nummer gerade an einen Deutschen gerät...

>> 2004/01/21

Update: Ein paar Bilder von meiner Firma bzw. Újpest. Bald hoffentlich mal interessantere und vor allem schönere Bilder...
Wie war das mit den Kleinigkeiten? Naja, die folgende Begebenheit kann einem sicher auch in einigen Teilen Deutschlands zustossen, war nichtsdestotrotz etwas irritierend...
Ich wollte also nach der Arbeit noch zum Tesco Supermarkt (genaugenommen heisst der Hipermarket, also Hypermarkt, was die Ausmaße des Ladens auch deutlich besser beschreibt). Von der Metrostation aus kann man den auch schon sehen, rechterhand die Hauptstraße, vor mit ein Parkplatz. Also mache ich das, was ich immer mache: Anstatt 50m rechts zur Hauptstrasse und dann bei der Tesco-Einfahrt wieder 50m nach links, gehe ich einfach über den Parkplatz - und stelle an dessem Ende zu meinem Erstaunen fest, dass der komplett eingezäunt ist. Auch kein Fußgängerloch, nix. Also den ganzen Parkplatz zurück (bei unangenehmem Eis...) und dann eben doch die Hauptstrasse entlang. Der Parkplatz hatte wirklich nur eine Einfahrt und eine Ausfahrt.
Am Tag zuvor, also Montag, war mir schon was Ähnliches passiert, derselbe Tesco, allerdings kam ich von woanders (wollte von der Firma eine Abkürzung gehen), hatte aber schließlich den Tesco direkt vor mir. Nur einen Zaun eben auch. Dahinter war eine Grünfläche, an einer Stelle führte sogar ein Weg direkt bis zum Zaun - was den Zaun aber nicht beeindruckt, der bleibt undurchlässig. Und zur Krönung war dann die Straße plötzlich durch einen weiteren, nicht fest-installierten, aber trotzdem hohen und stabilen Zaun auf ganzer Länge gesperrt. Diesmal aber wenigstens mit einer kleinen Lücke, durch die ich (nach Abnehmen meines Rucksacks) durchschlüpfen konnte.
Ich werd' das Gefühl nicht los, das Újpest nicht gerade als Verbrechens-beruhigte Zone gilt...

>> 2004/01/19

Hmm, am Wochenende war viel los, werd' mich aber kurzfassen. Maria aus Bulgarien, ein Trainee, die allerdings im internen AIESEC-Austausch hier ist (also nicht in einer Firma, sondern für AIESEC arbeitet), hat ein reception weekend organisiert. Natürlich lief nicht alles wie geplant, aber was soll's.

Freitag abend war erstmal Party im nationalen (?) AIESEC-Büro angesagt, also allgemeines Kennenlernen, war für mich aber natürlich zuviel war - kannte zwar schon einige Trainees, aber von den AIESEC-Leuten habe ich mir aber kaum jemanden merken können. Wir waren auch eher spät, da wir drei andere Trainees bei uns über's Wochenende aufgenommen hatten, die aus Szeged hier hergekommen sind. Haben uns also erst noch ein Weilchen bei uns zusammen gesetzt. In dem AIESEC-Büro blieben wir auch nicht zulange, da es etwas ausserhalb liegt und wir die letzte Tram kriegen mussten - danach ging's dann noch in einen Pub, wo getanzt wurde und das Übliche. Als wir dann irgendwann nach zwei rausgeschmissen wurden, weil der Laden zumachte (und wir anscheinend nicht genug tranken, um sie umzustimmen), ist unsere Truppe nach Hause gegangen - wie wir am nächsten Tag erfuhren, war der Rest entgegen unserer Vermutung aber doch noch bis 6h woanders...

Am Samstag war dann insgesamt eine kleinere Gruppe unterwegs - um mal eben einen Eindruck zu geben: Aga aus Polen, Chris aus Südengland und Rebecca aus Brisbane (die drei Szegeder), Geerte (sprich Cheerte, man kennt ja unsere Nachbarn), die leider ganz allein ist in Pécs, Isabelle aus Belgien (eigentlich keine AIESECerin, keiner weiss so recht, was die hier macht...), Maria aus Bulgarien; später stiessen noch einige dazu (wie Bücu aus der Türkei, Yumiko aus Japan, eine von den Phillipinen, usw. usf.), aber alles kann man sich nicht merken...
Leider war Mistwetter, und wir waren etwas spät und fanden uns erstmal alle nicht auf dem Burgberg - schließlich schafften wir's (inkl. eines Leipziger, den die anderen irgendwie aufgegabelt hatten) in's Budaer Labyrinth, unserem ersten Ziel. Leider ein ziemlicher Etikettenschwindel, sind nämlich eigentlich nur Höhlen im Burgberg. Und dazu noch ziemlich mies aufgemacht, mit irgendwelchen komischen Fake-Objekten, die irgendeine Verbindung zwischen prähistorischen Menschen und heute herstellen sollten. Eigentlich mag ich ja so feuchte Höhlen, aber das war zu gewollt... Und erst am Sonntag hat mich jemand über meinen Irrtum aufgeklärt, dass die Höhlen nämlich natürlichen Ursprungs sind - und nicht, wie man dachte, von den Erbauern der Burg angelegt wurden.
Dann wollten wir eigentlich eine Führung durch die Nationaloper machen, waren aber viel zu spät und haben uns dann zum Schutz vorm Regen erstmal in der eigentlichen Burg in's Café gesetzt. Dort ist auch die Nationalgalerie, die wir dann auch noch kurz angesehen haben - wobei 1h natürlich für Kunstfreunde viel zu wenig ist. Meinereiner läuft durch sowas aber doch nur kurz durch, allerdings nicht durch den Teil mit der modernen Kunst.
Aus dem ungarischen Restaurant, dass geplant war, wurde dann aber nix - das hatte nämlich zu. Nach langem Hin und Herr sind wir dann erstmal zum Moskva Tér, das Alternativrestaurant hatte aber nicht genug Platz, deshalb haben wir was kleineres, "normales" genommen - und ich mich überfressen. Dass die Portionen hier groß sind, wusste ich zwar, aber die war riesig - und ich hatte mir für heute eine echte ungarische Gulaschsuppe vorgenommen. Die war auch wirklich klasse, dazu noch ansprechend dargeboten (Fotos demnächst), aber alles zusammen - puuuh!
Danach sind dann einige noch in 'ne Disco, wir aber nicht mehr - ich persönlich fühlte mich auch nicht unbedingt wohl...

Am Sonntag hatten wir dann etwas mehr Glück - auch wenn es erst nicht so aussah. Erster Tagesordnungspunkt war die Große Budapester Synagoge. Was leider auch unserem vorbestelltem Guide entfallen war, war dass der 18.1. der Jahrestag der Befreiung des Budapester Ghettos war - die Synagoge war geschlossen. Immerhin konnten wir in's jüdische Museum, wo uns ein älterer Herr in gutem Englisch viel interessantes über jüdisches Leben und die dazugehörigen Artefakte erzählte. Und plötzlich kam unsere ursprüngliche Führerin rein und sagte, wir dürften jetzt doch 10min in's Innere! Sehr nett, und wirklich sehr beeindruckend - auch wenn die Ähnlichkeit im Aufbau zu einer christlichen Kirche frappierend ist. Mein Reiseführer klärte mich darüber auf, dass die Synagoge tatsächlich von christlichen Kirchen inspiriert war - der Architekt war auch ein Deutsche, auch wenn da nicht stand, ob Jude oder Christ. Egal, es gab eine Orgel, Sitzreihen, der Altar war am Kopf des Gebäudes (häufiger ist bei den Juden wohl in der Mitte) - auffällig waren nur die fehlenden Statuen, Jesus/Marien-Bilder usw., denn Bildnisse von Menschen sind in jüdischen Gotteshäusern nicht erlaubt.
Lustige Geschichte am Rande: Wie kriegen die Juden am Shabbath Musik, wo doch jegliche Arbeit (und die meisten von Euch wissen, dass Musik nichts Anderes ist ;-) verboten ist? Tja, man stellt einen katholischen Organisten an - und bezahlt den auch erst am Montag, da Geldverkehr am Wochenende auch nicht drin ist...
Danach wurde wir dann noch ein bisschen im Gelände des ehemaligen Ghettos herumgeführt, haben eine weitere Synagoge von aussen und eine andere von innen (mit Altar in der Mitte) gesehen - überhaupt hat sich die Frau sehr viel Zeit genommen (auch wenn sie ein paar Dinge zu häufig wiederholte...).
Noch was zum jüdischen Gottesdienst: Nicht nur, dass in der orthodoxen jüdischen Kirche Frauen und Männer getrennt sitzen (man darf ja nicht durch Blicke zum anderen Geschlecht abgelenkt werden), aber der Gottesdienst erfordert neben dem Rabbi immer die Anwesenheit von 10 Männern - auch wenn schon tausend Frauen anwesend sind...
Danach ging's dann zum Nationalmuseum, wo wir ebenfalls einen Guide hatten - der natürlich warten musste, der wir vorher so ausführlich rumgeführt wurden. Die Frau war recht jung, und es war wohl eine ihrer ersten Führungen auf Englisch, war in jedem Fall sehr nervös. Hatte genug Ahnung, keine Frage, und auch eigentlich gutes Englisch, blieb bloß sehr oft hängen. War recht interessant, sie hat uns den neueren Teil (17.Jhd. bis heute) gezeigt - Ungarn war früher viel größer, als ich gedacht hätte: Nach Norden große Teile der Slowakei (die es damals nicht gab, also direkt an Polen grenzend), nach Süden mind. die Hälfte des heutigen Bulgariens und Rumäniens. Danach konnten wir uns natürlich auch noch den ersten Teil (10.-17.Jhd.) ansehen, was aber wirklich nur ein Ansehen war, da es dort fast gar keine englischen Kommentare gab, und ohne Guide... Der neuere Teil war zwar sicher interessanter, aber natürlich ist gerade die Türkenherrschaft nicht ohne Bedeutung. Aber ich hab' ja noch Zeit, und die ergänzen vielleicht auch noch weitere englische Kommentare - im neueren Teil waren in jedem Fall mehr davon.
Was mich noch interessiert hätte, wäre gewesen, wie der Nach 1945-Teil des Museums vor dem Fall der Mauer aussah - der Abschnitt wurde natürlich redesignt...

Danach war dann aber auch genug für heute - ist leider doch länger geworden, sorry!

>> 2004/01/17

"Es sind die Kleinigkeiten in einer anderen Kultur, die einem am Ende am meisten irritieren.", so ähnlich hat man mir das vorher häufig gesagt. Nun, ich bin erst zwei Wochen hier, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich noch nicht so weit in diese Kultur eingetaucht bin, um viele Beispiele dafür zu haben. Und wie gesagt, so anders ist die Kultur hier eben nicht, Budapest ist eben sehr westlich geprägt (bin mal gespannt, wenn ich andere Städte besuche).
Aber was mir schon recht früh aufgefallen ist: In den öffentlichen Verkehrsmitteln wie U-Bahn oder Tram sind die Durchsagen, z.B. über die nächste Haltestelle, alle von einer männlichen Stimme gesprochen - bei uns zuhause habe ich immer nur weibliche gehört (ich spreche von vorgefertigten, natürlich nicht solche, die der Busfahrer selber macht...).

Und dass es beim Türken/Griechen das Gyros bzw. den Döner nur mit Reis oder Kartoffeln gibt, habe ich glaub ich schon erwähnt - aber das ist letztlich wohl eher eine Besonderheit der Deutschen, immer Pommes dazuzugeben. So ein Gyros mit Reis schmeckt natürlich klasse, grade für mich als Reisfan, aber Kleines Gyros Pommes mit Zwiebeln beim Tsolias ist auch eine Reise wert ;-)
"Machen Sie, bitte, das Geld weg!" Nicht gerade höflich, aber ist ja auch nur ein Geldautomat. Trotzdem fragt man sich, warum so wichtige Unternehmen wie Banken es nicht schaffen, die paar Sätze, die so ein Automat kann (werden maximal 2 Dutzend sein), von einem Experten angucken zu lassen. Muss ja nur einmal gemacht werden, aber die Automaten sind dann landesweit die gleichen... Werd's nächstes Mal mit Englisch probieren - vielleicht heisst's dann ja "Do make, please, away with that money!"

Aber apropos Sprachen: Ich versuche ja, mich möglichst mit Englisch durchzuschlagen - und Deutsch nur für den Notfall. Anfangs war der Grund (neben der Tatsache, dass ich eben sowieso die meiste Zeit englisch reden muss) wohl irgendwie auch ein bisschen der Wunsch, mich nicht als Deutscher zu erkennen zu geben. Ist natürlich blöd, aber egal, mittlerweile ist mir nämlich klargeworden, dass es auch aus einem anderen Grund viel geschickter und problemloser ist.
Es ist nämlich so: Wenn man jemanden mit "Do you speak English?" anspricht, kommt eben entweder ein Achselzucken und was "No"-Ähnliches oder "A little bit", "Not much" o.ä. - und danach versuchen dann beide Seiten eine Kommunikationsebene zu finden, so dass jeder glücklich wird. Versucht man's aber mit Deutsch, ist die Reaktion in 90% der Fälle ein freudiger Ausdruck, gefolgt von "Ah, Deutsch", "Gu-ten Tagg", "Proscht", "Gu-ten Ah-peh-tiht", "Auf Widder-sähn", "..." (hier beliebige typisch deutsche Phrasen einsetzen). [Mit der Schreibweise will ich mich jetzt über die Aussprache lustig machen, sondern die leicht abgehackte, explizite Sprechweise andeuten.] Kurz gesagt: Mein Gegenüber rattert irgendwelche Floskeln runter, die er aus irgendeinem Grund (Touristen, Verwandte, whatever) drauf hat, und danach ist man so schlau wie vorher. Man kriegt also erstens keine Kommunikation zustande und zweitens fühlt man sich als Deutscher leicht verarscht. Ich meine, auf eine englische Frage reagiert keiner mit "Ah, English", "Gutt mor-nink", "Cheers", "Bick Ben", etc. - da versucht man einfach nur, hilfreich zu sein. Warum das bei den Deutschen anders ist, weiss ich nicht, aber ich hab' da keine Lust drauf. Wenigstens hat noch keiner von "Blitzkrieg" oder so angefangen...

>> 2004/01/16

Hab' noch vier Bilder zur ersten Bilder-Gallerie hinzugefügt, vor allem erstmalig meine Mitbewohner. Ansonsten nix Besonderes, nachher ist eine Empfangs-Party (wobei das auch nur ein Name ist, letztlich können hier natürlich jeden Monat solche Parties gefeiert werden - und ansonsten findet man andere Anlässe oder verzichtet auch drauf. Ich verweise aber nochmal darauf, dass wir die Woche über ein ganz ruhiges Leben führen, früh in's Bett, vielleicht noch ein kühles Getränk vorher, aber sonst...), am WE sind dann einige Besichtigungen und so geplant. Vor allem auf das "echt ungarische" Restaurant bin ich gespannt - hört sich ganz gut an (wenn auch wohl trotzdem eher ein Touristen-Restaurant, sonst gäb's wohl kaum die englische Speisekarte im Netz...). Leider hab ich mir keinen internationalen Studi-Ausweis besorgt (Tina will sich drum kümmern, danke! - aber bis die Post das gebacken kriegt...), wird also etwas teurer.
Naja, schönes Wochenende allerseits!

PS: Habe heute eines der üblichen "Non-Disclosure-Agreement" unterschrieben, darf also keine Details über die Firmeninterna verbreiten. Angesichts dessen habe ich auch einen der Einträge hier sicherheitshalber etwas gekürzt...

>> 2004/01/15

Gestern abend habe ich mit Piotr einen Gang zur Zitadelle auf dem Gellertberg (der übrigens deutlich höher als der Burgberg ist) gemacht. Das Wetter war klar, es war nicht mehr so windig und die Temperatur zu kalt. Wir sind erst mit Straßenbahn, dann weiter mit einem Bus auf den Berg rauf, dann noch ein paar Meter gehen und wow - klasse Ausblick auf das nächtliche, beleuchtete Budapest, dazu ein sternenklar Himmel. Jetzt galt es nur noch, die richtige Einstellung der Kamera zu finden - und Ablageflächen, damit bei der langen Belichtung nix verwackelt. Die Ergebnisse gibt's auch demnächst, wobei ich auch ein paar von Piotr dazu tun werde - wenn man verwackelt, helfen einem 4 statt 2 Megapixel zwar herzlich wenig, aber die scharfen sind dann umso besser...

Richtig lustig war dann der Rückweg, da wollten wir dann nämlich nicht mehr einfach zurück zum Bus, sondern quasi die steile (der Donau zugewandte) Seite des Bergs runter. Wir wussten zwar nicht, ob die Treppen auch irgendwann bis nach unten führen, aber es war einen Versuch wert. Na gut, man hätte vielleicht eine Taschenlampe mitnehmen sollen, aber so gab's wenigstens mal einen Anflug von Abenteuer mitten in der Großstadt. Bis auf ein paar kleine Stolperer war's auch kein Problem, wir kamen tatsächlich unten an (heile, runter kommen sie alle...). Da war's dann mal von Vorteil, dass sich der Winter hier wieder verabschiedet hat, letzte Woche bei Eis und Schnee wär' das natürlich absolut nicht drin gewesen...
So, jetzt hab ich's endlich geschafft, die ersten Bilder in's Netz zu stellen - zuerst mal die von meiner/unserer Wohnung, damit ihr euch ein Bild machen könnt. Hab natürlich schon einige mehr geschossen, werden im Laufe der nächsten Tage dazukommen.
Viel Spaß :-)

>> 2004/01/14

Heute zeigt der Winter seine hässliche Fratze. OK, nicht wirklich, die Sonne schien von einem fast klaren Himmel - aber bei sicher fast 10°. Und ihr wisst ja, wie meine Vorstellung von einem anständigen Winter aussieht: Wenn Sonne, dann eisig; wenn Niederschlag, dann Schnee! Und dazu kamen noch die Reste des Sturmtiefs, das anscheinend bei Euch recht heftig gewütet hat...

Da es sonst nix Besonderes gibt, mal wieder was unbedeutendes off topic:
Also, Budapest hat vier größere Bahnhöfe, drei davon sind nach Himmelsrichtungen benannt: Ost- (Keleti), West- (Nyugati) und Süd- (Deli) Bahnhof (palyaudvar).
Palyaudvar ist auch wieder was zum Ungarische Aussprache-Lernen. Zum einen steht ly für j, zum anderen ist au kein Diphtong, also nicht pal-jaud-var, sondern pa-ja-ud-var. Das nur nebenbei...
Also, der Westbhf. liegt westlich vom Ostbahnhof, aber das ist auch schon alles. Liegen nämlich beide im östlichen Stadtteil Pest, und auch der Westbhf. dort recht zentral. Der Südbhf. wiederum liegt in Buda, also im Westen, aber auch nicht südlicher als die anderen.
An den Hauptrichtungen kann's auch nicht liegen, die Züge aus Richtung Wien (wie meiner) kommen im Ostbahnhof (!) an, die aus Norden im Westbhf., nur beim Südbhf. weiss ich's nicht.

Um jetzt nicht den Eindruck zu erwecken, ich wollte den Ungarn/Budapestern Blödheit unterstellen, kriegen jetzt auch noch die Deutschen ihr Fett weg: Wollte mir heute einen anständigen Akkulader (mit Schnelladung und für alle Kapizitäten) kaufen, hatte schon Conrad gesehen - dachte mir, ist zwar sicher nicht das billigste (und Elektronik-Kram ist hier sowieso kaum billiger als zuhause), aber immer noch eher als zuhause. Außerdem wird die Anleitung sicher auch auf deutsch sein.
Tatsache, alles Original-Conrad-Produkte aus good old Germany, einen gekauft, wo Quick-Charge gekauft - und was stell ich zuhause fest? Von wegen Quick-Charge, 16h für eine Hochkapazitätszelle. Das können andere in 3-4h! Tja, mal sehen, ob die das Teil einfach so umtauschen oder ob ich denen erst verklickern muss, dass die falsche Versprechungen machen...

Wie gesagt, nix Bedeutendes heute ;-)

>> 2004/01/13

So, morgen geht's wohl endlich mal richtig los. Seit gestern ist Thomas Simon, der Leiter der deutschen Vertriebsfirma von Falcon (mit dem ich auch vorher schon telefoniert hatte), hier in Budapest (der kommt immer Mo-Mi, hatte aber letzte Woche Urlaub). Der hat mir jetzt mal einiges mehr erklärt, über die Pläne der Firma in nächster Zeit und auch, wo ich da reinkomme.
Auch kurze Sicht soll ich ab morgen erstmal um eine Sache in der Vertriebsabteilung kümmern, namentlich eine Tabellenkalkulation optimieren. Nix aufregendes, aber mal was konkretes, wo man sich mit beschäftigen muss. Und man bekommt auch ein bisschen Einblick in die Unternehmsbereiche, die Art der Aufträge und so. Auf Dauer soll ich vielleicht auch mal gucken, ob sich gewisse Betriebsangelegenheiten eventuell besser auf Datenbank-Basis organisieren lassen.

Abgesehen von diesen "technischen" Aufgaben gilt es auf längere Sicht, bei einer wichtigen Strukturverbesserung zu helfen. Bestimmte Sachen müssen momentan noch auf jeden Kunden bzw. jedes Detail direkt eingestellt werden, jede Maschine ist also ein Einzelstück - da sollten sich Wege finden lassen, einige Sachen rekonfigurierbarer zu machen.

Von diesen Zukunftsaussichten abgesehen, habe ich gestern und heute einem meiner Kollegen, Marcell, geholfen, der ein Problem mit einer Maschine eines deutschen Herstellers hatte. Da musste ich dann da anrufen, da da anscheinend keiner genug des Englischen mächtig war. Nix besonderes, aber es ist schon ungewohnt, sich mit Ingo Rau, Falcon-Vision Budapest zu melden ;-)

>> 2004/01/12

Mein erstes "richtiges" Wochenende in Budapest ist vorbei - und es war recht angenehm. Freitag abend ist irgendwie nix mehr gelaufen - dafür bin ich ein bisschen gelaufen, nämlich über die Donau, es war (noch) kalt und schneite, und der Schnee wehte einem in's Gesicht, dazu ein bisschen Wintermusik vom Walkman... Schööön. Hätte nicht gedacht, dass die Donau tatsächlich Eisschollen führt. Ich meine, zufrieren tut die sowieso nicht, aber ich hätte nicht mal mit Eisschollen gerechnet...
Mittlerweile ist leider auch bei uns der Winter mehr oder weniger vorbei, es ist merklich milder (d.h. etwas über 0°), es schnee-regnet und die Aussichten stehen eher auf Regen :-( Naja, kann man mache nix.

Samstag habe ich dann mal einen privaten Stadtrundgang gestartet, einfach so drauflos. Wie gesagt, verirren ist in der Innenstadt recht schwer, man findet sich schnell zurecht. Hab auch schon ein richtiges indisches Restaurant gefunden :o) Für unsere Verhältnisse billig (2150Ft=8,50€), aber für ungarische schon saftig, kann ich mir auch nur zu besonderen Anlässen gönnen - weshalb ich auch in einem normalen chinesischen Gyorsbüfé (Schnellrestaurant) war. Billig, viel, aber leider nicht so gut.

Am Nachmittag hab' ich dann "walking in my past" gemacht, bin über die Donau, zum Burgberg rauf und hab geguckt, an was ich mich noch erinnere - die Winand-Kollegen wissen Bescheid: Standseilbahn, Fischer-Bastei, Matthiaskirche (ob der alte Mann immer noch da sitzt und aus seinem Leben erzählt, hab ich allerdings nicht geguckt...). Im Winter ist das da oben ohne Zweifel ganz gemütlich anzusehen, da kaum Touristen, leider war das Wetter richtig blöd, zwar trocken, aber total neblig, die Photos sind also nicht so - werde trotzdem bald mal versuchen, welche auf die Seite zu stellen... Besonders faszinierend fand ich wiederum die Eisschollen - sonst sieht man einem so großen Strom ja eher nicht an, wie schnell er fliesst, aber so...
Bei der deutschen Botschaft war ich auch noch, direkt im Burgviertel gelegen, aber samstags natürlich geschlossen - eigentlich sollte man sich da irgendwann mal "registrieren" lassen, aber Mo-Fr 8-16h ist recht unpraktisch...

Am Abend war ich dann zum dritten Mal in der Rückkehr des Königs - wir waren 16 Leute (Trainees und AIESECer), Karten waren vorbestellt, aber viele kamen unpünktlich, Ermäßigung gab's nur mit Studi-Ausweis, der Verkäufer musste dauernd neue Karten ausstellen, wenn jemand dann doch noch auftauchte und seinen Ausweis zeigte... Und in dem ganzen Durcheinander war's dem Kerl auch ziemlich egal, dass ich nur einen rein deutsch-sprachigen Studi-Ausweis der Uni Münster zeigen konnte - der hätte wahrscheinlich auch einen Videotheken-Ausweis akzeptiert :-)
Kostete übrigens 890Ft (3,50€), da kann man nix sagen.
Auch wenn man natürlich von den Untertiteln nix verstand, kriegte man doch ein paar interessante Sachen mit, vor allem, dass Pippin in der ungarischen Version genauso heisst, Merry hingegen Trufa. Na gut, wird schon seine Gründe haben, im Deutschen hat man zwar die Personennamen gleich gelassen, aber aus dem Shire wurde ja auch das Auenland usw.

Nachher ging's dann in's Morrison's, einem, sagen wir, "Pub mit englischem Interieur". Also kein echter "English Pub", aber eben so Sachen wie eine echte (?) rote Telephone Booth, alten Blech-Werbeschildern (ich sag' nur "Argyll St., Glasgow", hach...) und so'm Zeug. Aber eben kein richtiges Pub-Feeling. 600Ft Eintritt, für Frauen aber nur 300Ft, was sich auch in einem recht hohen Anteil derselben niederschlug - meist recht spärlich bekleidet... Wir trafen da noch auf ein paar weitere AIESECer, vor allem da ein neuer Trainee aus Rumänien, Ayse, da war, die gerade an diesem Tag erst angekommen war (und deshalb auch nicht allzulange blieb). Man konnte auch ganz gut auf der großen Tanzfläche tanzen, wechselnde Stile, also für jeden etwas dabei - auch wenn es einen schon schockt, dass aus Deutschland i.W. Mist wie Scooter und Sarah Connor importiert wird ;-)
Die Preise sind i.A. moderat, im Detail aber auch weniger - ein Bacardi Breezer kostet mit 3€ quasi das Gleiche wie in D, Bier ist billiger, aber ihr wisst ja, wie gerne ich das trinke...

Wie ich überhaupt so über den Monat komme, muss ich sowieso mal sehen, hab' leider noch nicht mal meine Bankkarte und kann auch nicht überprüfen, ob überhaupt schon was überwiesen wurde (ich kann natürlich am Schalter fragen, aber nun ja...). Insgesamt geht die Rechnung:
  90.000Ft
-33.000Ft Miete & Co.
-30.000Ft Essen (ich rechne mal 1000Ft pro Tag für die Mahlzeiten)
----------
  27.000Ft für den Rest - inkl. sonstiger Lebenshaltung.
Schaun 'mer mal...

Am nächsten Morgen konnte man dann mal richtig ausschlafen, zumal unsere Rollade auch wieder funktioniert (was auch die Kaltluftzufuhr von aussen weiter verringert, mal abgesehen davon, dass es nicht mehr so kalt ist). Haben sonst aber nicht mehr viel gemacht, ausser beim 24h-Mega-Tesco einkaufen und abends etwas DVD (American History X) gucken, vorher war Alok mal wieder ein Weilchen zum Klönen da.

>> 2004/01/09

Komme grade aus der Kantine, habe mein erstes Essen quasi selber bestellt, nachdem wir ein Kollege die Speisekarte erklärt hatte:
"Rántott kerem és Cola". Naja, beim Blättern im Wörterbuch habe ich dann festgestellt, dass rántott nicht das Nomen für Hühnchen war, sondern nur paniert heisst. Der zweite Teil (irgendwas mit csirk...) war der Entscheidende - also hieß das nicht "Hühnchen bitte mit Cola", sondern "Paniert bitte mit Cola". Jó étvágyat! (Joh etvahdjåt - Guten Appetit)

Hatte auch heute wieder eine sinnvolle Aufgabe, d.h. habe sie immer noch, aber wieder nur Internet-Research - aber wenigstens mit klarer Problemstellung. Es wird eine Lösung für ein bestimmtes Messproblem gesucht, d.h. ich soll gucken, ob es da was passendes für die Anforderungen gibt. Hab auch schon was gefunden, aber weiß nicht, ob ausreichend - der Verantwortliche kommt erst morgen wieder... Zu der Zusammenfassung, die ich gestern gemacht habe, habe ich leider (noch?) kein Feedback bekommen.
Bin in jedem Fall mal gespannt auf Montag, da kommt Herr Simon, der deutsche Vertriebsleiter, und der hörte sich zumindest am Telefon immer so an, als ob er konkrete Pläne mit mir hätte...

Am Samstag abend steht erstmal kollektives Lord of the Rings-Gucken an - auf englisch natürlich (ob mit Untertiteln, weiss ich nicht). Der Film ist hier erst am Donnerstag angelaufen, bin also einer der wenigen, die ihn schon kennen - aber ist ja auch erst mein drittes Mal ;-)
Danach ist wohl groß Party angesagt, sind wohl auch einige neue Trainees hier. Ansonsten gibt's wohl an den Wochenenden häufig Ausflüge und Fahrten in die Umgebung und weiter. War wohl doch ein Fehler, keinen Schlafsack mitzunehmen. Schaun 'mer mal...

Wünsche Euch allen ein schönes Wochenende (vor Montag in der Firma komme ich nicht an's Netz)!

>> 2004/01/08

Meine Schwester Anja hat übrigens auch einen (englischsprachigen) Blog, auf dem sie mich jetzt freundlicherweise erwähnt hat - weshalb ich mich nicht lumpen lassen will und das gleiche mit ihr tue :-) Sollte sich irgendwer aus diesem Grunde hierher verirrt haben:
Herzlich willkommen!
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Blogging-Frequenz nicht so hoch bleibt - erstens ist ja bald nicht mehr alles neu, und zweitens gibt's vielleicht auch bald mehr zu tun. Heute z.B. habe ich meine erste richtige Aufgabe bekommen! Musste die Eigenschaften der Produkte einer bestimmten Firma zusammenfassen - war nicht viel, auch wenn ich natürlich nicht weiß, ob ich ausführlich genug war, bis jetzt kamen aber noch keine Beschwerden ;-)
Ich hatte glaub ich schonmal was zum Preisniveau angedeutet. Im Allgemeinen kann man sagen, dass alles ungefähr die Hälfte kostet - und dann noch etwas weniger. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel: Die Kantine z.B. ist recht teuer - mit Getränk fast 1000Ft, also 4€. Und die Mensa ist besser... McD/BK sind mit 820Ft für ein Menü zwar billiger, aber bei weitem nicht die Hälfte.
Wo ich aber gestern einen echten Schreck gekriegt habe, war in einem CD-Laden: Aktuelle CDs kosteten über 5000Ft, also mehr als 20€!!! Nach DVDs habe ich da gar nicht mehr geguckt...
Was allerdings letztlich die überflüssigste Idee von allen war, war es, Dinge des täglichen Lebens, speziell der Körperpflege mitzunehmen. OK, einen Bodyshop habe ich zwar noch nicht gefunden, aber warum ich z.B. noch ne neue Packung Rasierklingen in D gekauft habe, weiss der Geier. Und in Sachen Shampoo ist das einzige Problem rauszukriegen, welche Farbe für normales Haar steht - ansonsten gibt's auch nur Schauma, Nivea etc. bei Rossmann oder dm zu kaufen...

Heute habe ich mich dann mal woanders zum Essen mitnehmen lassen - zu einem türkischen Büfé.
Einschub: Einen zusätzlichen Vorteil hat das Ungarische gegenüber dem Deutschen: Während wir bei den Fremdwörtern so weit wie möglich die Original-Schreibweise beibehalten (was bei lange eingebürgerten Wörtern eher verwirrt, zumindest Ausländer - s.a. Rechtschreibreform), scheren sich die Ungarn darum prinzipiell (fast) nicht. Buffet spricht man mit ü und langem e, also Büfé - logisch, nicht. Dafür erkennt man Fremdwörter natürlich nicht so leicht, aber konsequenter ist's allemal
Gyros mit Reis, Brot, viel Gemüse und scharfer Sosse - und das mit Getränk für 750Ft, da kann man nicht meckern. Nur muss ich mich eben dahin mitnehmen lassen, da zu weit weg.

>> 2004/01/07

Irgendwer, ich glaub Piotr, hat schon am Anfang was zu mir gemeint von wegen "Budapest ist keine so große Stadt". Zwar 1,9Mio Einwohner, aber vom Feeling her eher kleinstädtisch. Na gut, das ist wohl übertrieben, und so wirklich kann ich das auch eigentlich noch nicht bewerten, kenne ja bisher i.W. nur, was an meinem Weg zur Arbeit liegt, aber irgendwie merkt man's schon. Die Rush-hour ist nicht wirklich heftig, man fühlt sich zu keiner Zeit wie in einer Großstadt - die immerhin 8x so groß wie Münster ist, von Siegen ganz zu schweigen. Aber im Vergleich zu Köln o.ä.
Liegt wahrscheinlich daran, dass sehr viele Leute in den großen Plattenbauten in den Outskirts leben und da auch eher die Gewerbegebiete sind - so dass eben nicht andauernd Verkehr von drinnen nach draußen und zurück ist.
Aber wie gesagt, muss auch wirklich noch ein bisschen mehr kennenlernen...
So, jetzt habe ich mal eine kleine Budapest-Stadtkarte zusammengebastelt, also mit meiner Wohnung und meiner Arbeitsstelle drauf - und meinem täglichen Weg (dunkelblau = Metro [20-25min], hellblau = zu Fuß/Tram [10-15min]). Heute hab ich mich allerdings etwas vertan: Vor der Haustür nimmt man morgens ganz gut die Straßenbahn (Tram) bis zur Metro-Haltestelle, verkürzt den Weg. Man muss natürlich direkt wieder aussteigen, aber ich war in Gedanken und bin sitzen geblieben. Glücklicherweise ist das nicht ganz so schlimm, da die Tram den Ring (Körút, s.Karte) entlangfährt und dann am Nyugati palyaudvar (Westbahnhof) wieder auf die Metro trifft - aber dauert natürlich länger, da mehr Haltestellen.
Aber auf leichte Verspätungen achtet hier sowieso keiner...

Ansonsten ist es heute etwas wärmer, d.h. immer noch unter 0, aber in der City selber merkt man davon kaum was - zwar hat's gestern wieder recht schön geschneit, aber nicht viel, so dass einige Flächen schneebedeckt sind, ansonsten ist's aber eher matschig, vor allem auf den Wegen. Nicht so der Siegener Matsch-Schnee (5-10cm, die sofort wieder wegtauen), sondern so ein übler, rutschiger Belag, da ja die Temperaturen noch deutlich unter Null liegen, die Wege aber gestreut und wärmer sind. Soll aber am Wochenende auch hier wärmer werden und sogar eher regnen. Wie gesagt, letzter Winter war winteriger...

>> 2004/01/06

Nun, der zweite Arbeitstag war erstmal auch nicht viel anders. Gibt zwar nix zu tun, aber man will ja auch nicht die ganze Zeit ziellos durch die Gegend surfen - auch wenn's keinen zu stören scheint. Also habe ich mal das Heft in die Hand genommen und ein paar Leute in der Firma einfach angesprochen und gebeten mir zu erklären, was sie so tun.
Robert hat mir dabei zwar nicht viel von seiner Arbeit erzählt (er ist Projektmanager der Ingenieursabteilung, also nix zeigenswertes), aber dafür mal ein bisschen gezeigt. Er ist mit ein paar anderen zuständig für die Herstellung der PCI-Karten, die die Verbindung zwischen den Kameras und den Steuer-PCs übernehmen.
Vielleicht fange ich doch eher hinten an: Er hat mir dann nämlich auch - was ich bisher noch nicht gesehen habe - den großen "Werkstatt-Raum" gezeigt. Dort werden die grösseren Maschinen zusammengeschraubt, momentan eine Zylinderkopf-Prüfungsanlage für VW. Richtige Schrankwandgröße, nicht übel. Da stellt ein Roboter die Prüfstücke rein, die werden von einer Reihe exakt justierter Kameras mit Lasern aufgenommen, der PC analysiert das dann und sagt "OK" oder "kaputt". Ein Messvorgang dauert 25s, was für rund 150 einzelne Messwerte (Durchmesser dieses Lochs, Länge jener Kante, Parallelität,...) wohl recht gut ist. Die Maschine dürfte in jedem Fall nicht für 'ne Mark fuffzig zu haben sein. Immerhin 3-4 Monate Herstellungsdauer, in Handarbeit und nach den jeweils speziellen Bedürfnissen des Kunden. Das muss immer exakt auf die entsprechenden Werkstücke eingestellt werden. Hier gab's dann übrigens auch endlich mal Linux, nämlich als Betriebssystem des Steuercomputers :-).

Später habe ich mir dann noch von jemanden eine kleinere Sache zeigen lassen, die die machen. Da gibt es einzelne Kameras, fertig von einer anderen Firma, die programmiert werden müssen. Dazu gibt's ein recht einfaches, grafisches Programmiersystem, das dann entsprechend verwendet wird, um die Kamera auf die zu untersuchenden Werkstücke einzustellen. Nicht allzu schwierig, aber rather cunning (sorry, für gelegentliche Anglizismen, aber mir fallen teilweise nicht die passenden deutschen Wörter ein...).

Gegen Ende der "Arbeitszeit" habe ich dann noch gefragt, ob ich meinen Laptop eventuell direkt an's Netz anklemmen könnte. Dann kann ich mein normales Mail-Programm benutzen. Hatte auch noch das Tastaturproblem (ungarische Tastaturen sind allerdings nicht so schwer - es fählt nur däs Ä, und die 0 ist links von der 1) als Ausrede parat gehabt, aber in der Hinsicht war der System Administrator völlig lässig. Hat mir ein Kabel gegeben - und das Netz war so eingestellt, dass ich sofort per DHCP eine IP-Adresse bekommen hab und Zugang hatte. Brauchte nicht mal irgendein Login zu machen...

Apropos lässig: Das ich hier nicht wirklich was zu tun habe, ist wohl "normal". Alle anderen sagen, sie hätten in den ersten ein, zwei Wochen quasi nix zu tun gehabt. Saim meint, er würde jetzt zwar jeden Tag seine Tasks kriegen, aber das wären max. 3h Arbeitszeit, den Rest der Zeit würd' er auch das Übliche machen (surfen, mailen, you know...). Deshalb will ich mich mal nicht beschweren - zumal Anfang nächster Woche Thomas Simon, der Leiter der deutschen Dependance, hierher kommt. Und der hatte ja schon angekündigt, einiges mit mir vor zu haben - schau'n 'mer mal...
And now for something completely different:
Die ungarische Sprache - von der mir ja allseits abgeraten wird - ist zumindest in einer Hinsicht einfach: Man spricht, wie man schreibt. Also im Prinzip wie im Deutschen (im Gegensatz zum Englischen), allerdings mit anderen Vorzeichen, sprich man muss sich an andere Aussprachen bestimmter Buchstaben und Diphtonge gewöhnen.
Am einfachsten ist noch, dass alle Vokale mit Akzent (áéíóú) lang sind. Das geht auch bei ö und ü, also ő und ű (ich hoffe, die Darstellung der Sonderzeichen ist bei Euch korrekt...).
Besonderheit: a ist nicht unser a, sondern eine Mischung aus a und o, mehr Richtung o - á hingegen ist wie unser a, nur lang. Schwierig wird's bei den s-Lauten, speziell s steht für sch - es heißt also tatsächlich Budapescht. Dafür ist z unser s-Laut, während c unserem harten z entspricht. Ach, und sz ist tatsächlich der Buchstabe, den wir auch s-z nennen...
Überhaupt die Diphtonge: Im Gegensatz zum Deutschen gibt es keine Vokal-Diphtonge (au,eu,ei,ai), dafür cs (wie tsch), gy (eine Arte dsch), ny (etwa nj wie in russisch njet), ty (tj wie in tja). Die gehen noch, blöd sind ly, das für ein einfaches j steht (deshalb wird Gergely auch eher Gergej ausgesprochen) und vor allem zs, das nicht etwa einen s-Laut beschreibt, sondern ein j wie in Journalist.

Aber mit diesen Regeln im Kopf, kann man eigentlich alles ungarisch geschriebene laut vorlesen (im Gegensatz dazu denke man nur mal an "I will lead you to the lead mine" - fällt mir so spontan als blödes Beispiel ein...) - von Verstehen natürlich keine Spur...
Gestern abend habe ich mir dann gleich noch im Vodafone-Shop, wenige Meter von meiner Wohnung entfernt, eine ungarische Handy-Karte besorgt. Die (sehr hübsche ;-) Verkäuferin konnte genug Englisch und ich hab dann versucht, die verschiedenen Tarifmodelle einigermaßen zu durchschauen. Ist jetzt nicht soviel billiger als zuhause (SMS 12Cent, Freizeittarif 7Ct/min - allerdings nur zu anderem Handy, dachte mir das wär am sinnvollsten, da die Trainees ja sowieso alle Handys haben). Nach Deutschland kostete alles gleich, gut 50Ct - allemal billiger als über mein Handy. Meine andere SIM-Karte habe ich jetzt in meinem alten Handy (6210) geparkt, werde ich aber selten einschalten - deshalb in Zukunft folgende Nummern benutzen:
Mobile phone: +36 70 573 05 57
Stationary: +36 1 21 584 27

Übrigens stehen jetzt hier rechts Links zu Billiger telefonieren, die direkt zu den aktuell billigsten Vorwahlen nach Ungarn weiterleiten.

Ach, die Adresse fehlt auch noch:
Ferenc Körút 1.II.12
1094 Budapest


Abends war wir dann noch ein bisschen in der Stadt, Dali feierte ihren endgültig letzten Abend in einem Pub, waren viele bekannte Gesichter vom Abend davor und noch mehr - aber ihr wisst ja, wie das bei mir mit Namen ist...

Waren auch nicht so lange weg, vor 12 wieder zuhause (schließlich musste ich heute früh raus...). Warm ist es leider immer noch nur in den Schlafräumen, das "Wohnzimmer" ist nach wie vor eiskalt. Aber am Abend war der Vermieter da, hatte sich schon um eine kaputte Birne gekümmert, heute wollte er sich die nicht schließende Balkontür ansehen, die Rollade (die wir wohl zu hoch gezogen haben...) und den Lichtschalter in der Toilette auswechseln. Wenn der das alles macht, kann man nicht klagen. Netter älterer Herr, der sich außerden freut, mit mir jemanden zu haben, dem er sich mit ein paar deutschen Worten verständlich machen kann. Nur dass ich dann regelmäßig völlig konfus werde und wild deutsch und englisch mixe (und jeden in der falschen Sprache anspreche...).

Ach, noch der Wetterbericht:
Gestern hatte es im Laufe des Tages a bisserl geschneit, liegt auch ein bisschen, da es recht kalt ist, aber in der Innenstadt natürlich nur an den Rändern. Und man hat mir erzählt, dass es letztes Jahr schon Anfang November schneite und den ganzen Winter durch i.W. weiß war - naja, wird ja vielleicht noch...

>> 2004/01/05

So, das war also mein erster Arbeitstag... Brauchte sogar erst um 10h statt um 8.30h zu kommen, wegen einem Meeting. Dafür habe ich zweimal meine Morgen-Milch umgekippt, shit happens. Bin dann von Gergö abgeholt worden und wir sind zur Firma gefahren. Die liegt in einem Gewerbegebiet in Ujpest, ein nördlicher Stadtteil von Budapest. Keine besonders schöne Wohngegend, aber auch nicht wirklich schlimm. Mein Mitbewohner Saim arbeitet auch da irgendwo. Man braucht leider doch ziemlich lange - 20-25min mit der Metro, aber ein bisschen muss ich schon von und zur Metro-Station laufen, deshalb sind jeden Morgen wohl eher 40min einzurechnen.
Erstmal gab's natürlich Vorstellungen und viel Warten - ein paar Dinge mussten geklärt werden, dann war mein Arbeitsplatz noch nicht fertig etc.pp. Hab noch ein bisschen im Management verbracht, wo auch Bruno, der AIESECer aus Brasilien gerade war. Den hatte ich gestern ganz vergessen, dabei hatte mir schon Herr Simon, der Chef des deutschen Falcon-Büros, von ihm erzählt. Der (also Bruno) hatte erst als Trainee hier in Budapest gearbeitet, jetzt ist er in Mannheim, aber nicht mehr als AIESEC-Trainee, sondern irgendwas "höheres".

Zur Überbrückung der Zeit bin ich dann mit Gergö los, ein Konto eröffnen. Mussten lange warten, dauert auch recht lange, aber ging reibungslos. Weiss zwar nicht, wozu die die Namen meiner Eltern brauchen (und mir ist immer noch nicht klar, ob Vor- oder Nachnamen), aber egal.
Interessant war, dass man seine Geheimzahl selbst aussuchen konnte - praktisch :-)

Zurück in der Firma hat mir erstmal Susa (ich glaube...) gezeigt, was es in der Kantine gibt, die Kommunikation war aber eher schwierig, weshalb ich dann doch wieder beim Wiener Schnitzel gelandet bin - muss ich wohl bald schon Entziehungskur machen...
Ach so, mein Gehalt beträgt 90.000Ft (knapp 350€) - die Miete ist aber auch deutlich höher als behauptet, nämlich 27.000Ft (110€) + Nebenkosten, was später auch nochmal rund 4000Ft werden. Egal, sollte gut reichen.

Dann war auch endlich mein Arbeitsplatz (sprich mein Computer) fertig - und ich bekam auch eine "Aufgabe" - aber eine sehr unspezifische: Gathering information über das ganze Gebiet "Messtechnik/Prozesstechnik/Digitale Bildverarbeitung. Hmmm, we'll see...
Habe dementsprechend die restliche (kurze) Arbeitszeit mit ein paar Einstellungen am (leider doch) Windows XP-System (war nicht die Rede von Linux-based?) - für Eingeweihte: classic start-menu, windows 98-style, do not hide known extensions, ... - und etwas ziellosen Surfen (außer spiegel.de - das war zielhaltiges Surfen) verbracht.

Kurz nach 17h hab ich dann auch die Kurve gekratzt. Überhaupt gibt es in der Firma keine festen Arbeitszeiten, man kommt gegen halb 9 und geht gegen 5. Hat Bruno auch schon gesagt: Eine "richtige" ungarische Firma mit dementsprechender - ähem - Ruhe. Hab auch keine Karte bzw. muss nirgendwo meine Arbeitszeiten aufschreiben.
Die Party gestern war mehr ein Sit-in mit lauter anderen AIESEC-Trainees. Daliborka, die serbische (nicht bosnisch, böser Fehler...) Kanadierin, fliegt Dienstag zurück, dann waren da noch Zach aus den USA, Maria aus Russland (und zwar jenseits des Urals), Ajok aus Indien (der bei uns quasi nebenan wohnt), eine Japanerin, eine Kroatin, ein Rumäne und andere, kann mich wie üblich nicht an alle Namen erinnern...
War in jedem Fall sehr nett, allerdings wird schon jetzt klar, dass die Praktikanten hier eher unter sich bleiben - gestern hatte ich ja einige AIESEC-Leute kennengelernt, aber eben weil ich bei einer AIESECerin untergebracht war.

>> 2004/01/04

Immer noch Sonntag, der Tag ist noch nicht vorbei, und ich weiß kaum, wo ich anfangen soll.
Na gut, ist ja auch klar, schließlich konnte ich heute in "meine" Wohnung. Bin also kurz nach 11 mit Gergö losgefahren zur WG, wo auch schon Piotr aus Polen war. Ist eine riesige (vor allem in der Höhe) alte Wohnung, klasse Lage direkt am inneren Stadtring (vielleicht treibe ich mal eine Karte für's Netz auf...), im Süden, gegenüber liegt eine Donaubrücke. Metro-Station ist auch nicht weit, viele Geschäfte, alles bestens.
Kommen wir zu den unschönen Dingen ;-) Naja, ist natürlich keine WG-Wohnung, wir drei (außer Piotr noch Saim aus Istanbul) haben also keine eigenen Zimmer. Saim schläft im "Arbeitszimmer", Piotr und ich in dem Wohnraum daneben. Dann gibt's noch ein großes Wohnzimmer, eine Mini-Küche (leider kaum Zeugs um groß indisch zu kochen ) und natürlich Badezimmer und Toilette. Alles keine Luxus, aber auch nicht übel versifft.
Einziges Problem als wir kamen: Die Heizung (d.h. der große Gas-Heizofen im mittleren Zimmer) ging nicht an, wir mussten erstmal den Hausmeister holen, so dass es erst gegen Abend langsam warm genug wurde - und auch nur in unseren Schlafräumen, da wir die Tür zum großen Wohnzimmer lieber gleich zugelassen haben, damit wir wenigstens warm schlafen können.

Nachdem dann diese Sachen alle geklärt waren, ist Piotr mit mir ein bisschen losgezogen. Erst waren wir was essen, in einem Restaurant um die Ecke, das in seinem Reiseführer empfohlen wurde wegen des Original-ungarischen Essens. Also, auf der Speisekarte stand tatsächlich Speisen- und Getränkekarte, die erste Seite war Ungarisch und Englisch, danach zusätzlich Deutsch und Französisch, dazwischen irgendwann nur Ungarisch, dann wieder alle vier Sprachen... Und weiter hinten fanden sich dann auch "Dishes of the house", also eher ungarisches. Ich konnte mich allerdings nicht zurückhalten und hab dann doch zum Riesen Wiener Schnitzel (sic!) gegriffen :-) Waren dann auch wirklich zwei große Lappen auf einem Teller Pommes <gr> - für rund 1500 Forint inkl. Getränk, also so ung. 7€ (250Ft = 1€). Nicht wirklich billig, aber es war schließlich Sonntag, und was ich dafür in Deutschland bezahlt hätte...
Trotzdem war das Restaurant etwas komisch - von innen zwar vornehmer als es von außen aussah, die Cola wurd dafür aus der Plastikflasche ausgeschenkt... Don't misunderstand me, ist mir ja egal, aber passte irgendwie zusammen.

Naja, dann sind wir noch recht weit zu einem Tesco gefahren, der 7 Tage, 24 Stunden aufhat - ein riesiges Ding. Apropos: Ausnahmsweise mal eine englische Kette - sonst gibt's hier Kaiser's, dm Drogeriemarkt, Obi, Praktiker, Raiffeisen Bank und so weiter und so fort.
Ein Monatsticket für den gesamten ÖPNV kostet übrigens 5200Ft, also gut 21€ - dafür komm' ich mit der Deutschen Bahn ja kaum von Münster nach Siegen...

Als wir wiederkamen, war's dann etwas wärmer, aber immer noch nicht richtig warm - und mir fiel zum ersten Mal auf, dass es hier gar keine Bettdecke gibt. Bezüge hatte ich ja mit, ein Kissen war auch noch zu finden, aber für die Decke habe ich dann das gemacht, was die beiden anderen auch gemacht haben: Eine der vielen uralten "einfachen", dünnen Decken in einen Bezug stecken - und war tatsächlich gemütlich warm.

So, gleich geht's noch zu einer kleinen Abschiedsparty für eine Kanadierin bosnischer Herkunft - mehr dazu morgen...
Es ist jetzt Sonntag morgen, 9:40h (wann auch immer diese Message im Netz erscheinen wird... Ich habe meine erste Nacht in Ungarn hinter mir - draußen schneit es grade ein wenig (es liegt aber keine Schneedecke).
Ich bin - glaub' ich - in der Fogarasi út, bei einer AIESECerin namens Anett. Ich konnte gestern noch nicht in "meine" WG, da die beiden anderen - Piotr aus Polen und Saim aus der Türkei (alle Namen wahrscheinlich falsch geschrieben...) - noch nicht wieder hier sind. Gleich geht's dann aber dahin.
Die Fahrt war recht angenehm. Beim Einsteigen in Frankfurt war's recht voll, auch mein Abteil, und ich musste meine Sachen auf dem Gang stehen lassen. In Würzburg stiegen dann aber welche aus, und danach war's auch insgesamt nicht mehr so voll.
Interessant wurd's, als es über die ungarische Grenze bei Hegyeshalom ging. Irgendwie ist einem das als Deutscher schon fast peinlich: Mit mir im Abteil war noch eine ältere ungarische Frau und ein junger Rumäne. Die mussten beide ihre Reisepässe zeigen, bei dem Rumänen wurd dann noch gefragt, wo er gerade her kam, und ein Mann mit Laptop wurde dazugerufen, der dann irgendwas gegencheckte. Und unsereiner zeigt eben kurz seinen Perso und alle sind glücklich :-/
Mit dem Rumänen habe ich mich dann noch eine Weile unterhalten. Wer sehr interessant, zumal man als 08/15-Mitteleuropäer ja vielleicht noch gerade ein bisschen über Polen, Tschech-/Slowakei und Ungarn weiß, aber Rumänen schon irgendwie ausserhalb des Horizontes. Ceaucescu und Dracula, um es mal salopp kurz zu fassen. Er hat mir dann viel über die aktuelle (traurige) Situation erzählt, dass da unten einfach nix entsteht, u.a. da die Ausländer nicht investieren wollen/können, da die politischen/wirtschaftlichen Sicherheiten fehlen. Er ist auch sehr skeptisch von wegen EU-Beitritt (der ja für 2007 geplant ist), meint, Rumänien wäre da lange noch nicht weit genug.
Er selber konnte recht gut deutsch und versucht auch, seinen Weg in Deutschland zu machen, ist aber gerade erstmal dabei, bestimmte Sprachkurse zu machen - was vor allem eine Kostenfrage ist. Aber er war schon häufiger bei uns, redete sehr gut über die Deutschen an sich und so. Eher überrascht war ich über einige seiner Erfahrungen, speziell diese: Als Deutscher denkt man ja immer, Ausländer fürchten sich in Deutschland vor Skin-Heads und Neo-Nazis. Bei ihm war das nicht so, er sprach dagegen sehr negativ von seinen Erfahrungen mit Türken in Deutschland, speziell dort, wo sich große türkische Gemeinden separat ausgebildet hätten und sich deshalb kaum integrieren würden. O-Ton, ungefähr...
Was er auch - wie so viele zuvor - betonte, war, dass Ungarisch äußerst schwer wäre, und man gerade als Deutscher sowieso überall mit Deutsch oder Englisch durchkommt. Irgendwie wollen einem alle die Sprache ausreden...

So kam ich dann am Budapester Ostbahnhof (= Keleti pu) an und fand zum Glück auch recht fix Gergö Csernyák, meinen AIESEC-Betreuer. Habe mich dann von Zoltan, dem Rumänen, verabschiedet und vor allem viel Glück für die Weiterreise gewünscht, die für ihn jetzt nämlich erstmal die Suche nach einer Busverbindung bedeutete, die nach Siebenbürgen (er ist ein Schwebe, wenn ich das richtig verstanden hab, also alte deutsche Wurzeln) anscheinend nicht wirklich nach Plan gehen.
Mit Gergö ging's dann erstmal mit dem Bus Richtung Oststadt (Pest, der westliche Teil mit dem Burgberg heisst Buda), also nicht zu meiner WG (die relativ zentral liegt, hab's mir schon auf der Karte zeigen lassen, weiß aber die Adresse noch nicht), da da eben noch keiner war, sonder zu Anett. Deren beide Mitbewohner sind nicht da, deshalb konnte ich hier nächtigen.
Ich sollte erwähnen, dass man tatsächlich mit Deutsch oder Englisch überall durchkommt. Soll heissen, dass der eine - wie Anett - besser Deutsch kann, der andere - wie Gergö - besser Englisch. Sind dann nachher auch noch zu dem Studentenwohnheim der Uni (eine Wirtschafts-Hochschule) gegangen und ich habe andere Leute kennengelernt, wo sich auch die Präferenzen gut verteilten. Man kommt ziemlich durcheinander, da man immer vergesst, wen man wie am besten anredet bzw. wie man mit mehreren zusammen redet. Ein bisschen von beiden Sprachen verstehen sie wohl alle, aber man ist sich trotzdem unsicher.
Danach haben mich Anett und Gergö dann noch kurz in's Zentrum gefahren, wo wir in einem Palatschinken-Restaurant waren. Zur Erklärung: Palatschinken hat genauso viel mit Schinken zu tun wie Ballermann mit Ballern. Ist einfach eine deutsche Verballhornung des ungarischen palacsinta, was letztlich nur Pfannkuchen heisst. Was die Ungarn aber nicht daran hindert, tatsächlich Palatschinken mit Schinken zu füllen. Die Speisekartenauswahl war nämlich riesig (wie gesagt, ein reines Palatschinken-Restaurant), als süsse Füllung gab's alles, was man sich vorstellen kann, von Zimt über Mohn bis Schokostreusel. Daneben gab's aber auch alle Arten von "pikanten" Füllungen, selbst indisch und asiatisch. Ich hab' mich am Abend dann aber doch für süss entschieden, und zwar - wer hätte das gedacht - für Kokosnuss. Lecker!
Nach einem kurzen Abstecher an den Donaustrand mit Blick auf's Parlament (das leider nur zu Teilen beleuchtet ist, da es gerade renoviert wird und man wohl sinnvollerweise nicht die Gerüste beleuchten will) ging's dann zurück mit der U-Bahn zur Wohnung von Anett, mit der ich mich noch eine Weile recht nett (no pun intended) auf Deutsch unterhalten hab, bevor ich dann doch zu Bett gegangen bin (während sie wohl noch eine Weile gelernt hat - die haben bis Ende Januar viele Prüfungen...).

In einer Dreiviertelstunde kommt Gergö und bringt mich zu der WG, deshalb mache ich jetzt mal Schluß und frühstücke noch was...

>> 2004/01/01

Erstmal allerseits ein frohes neues Jahr!
Habe heute meine Bahntickets gekauft, es geht am Samstag, 3.1. um 8h irgendwas los (in Frankfurt, übernachte bei meiner Schwester), um 18.28h bin ich dann in Budapest. Ohne Umsteigen - hoffentlich lässt sich die Bahn nicht sonst was einfallen, was einem die Reise vermiest...
Alles weitere hoffentlich bald (wer weiß, wann ich an Internet komme...) aus Budapest!

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